Kultur

Kabarett Hans-Peter Schwöbel in "Gehring's Kommode"

Von der Lust am Denken

Mannheim.Er hat so seine vielfältigen Seiten - dieser Hans-Peter Schwöbel: Als Kurpfälzer liebt er seine Heimat und seine Muttersprache, als Soziologe analysiert er gesellschaftliche und politische Strömungen, und als Pädagoge weist er auf das Weltgeschehen hin - wie aber vereinen sich diese Seiten im Kabarettisten Schwöbel? In "Gehring's Kommode" in Neckarau brachte der Professor und Mannheimer Bloomaul-Ordensträger das Publikum mit Gedanken zur Bundestagswahl und zur Flüchtlingspolitik, zu Fragen des Populismus und der Freiheit des Menschen zum Nachdenken, entspannte aber durch einen heiteren Exkurs in die kurpfälzischen Gepflogenheiten.

Nicht nur die bevorstehende Bundestagswahl mit ihren "Meinungsfischern" und "Wahlfängern", mit flachen Botschaften auf Wahlplakaten, populistischen Versprechungen und "Fake News", die von Medien angeheizt würden, standen zur Diskussion, auch die von Lothar Zenetti in einem schönen Gedicht aufgeführten gefeierten Wörter, von denen wir leben, machte nachdenklich: Hoffnung, Vertrauen, Friede, Gerechtigkeit, Geduld und Geborgenheit und vor allem Freiheit. "Wem gehörst Du", ist die Frage, die Schwöbel zum Fazit brachte: "Wenn keiner keinem gehört", ist das eine neue Form der Unfreiheit.

Swingender Kurpfalzblues

Doch bei allem Philosophieren und Reflektieren gab es auch heitere Momente. Wenn Schwöbel seine Liebe zur Kurpfalz und "Mutterschprooch" gesteht, dann zeigt sich das im swingenden Kurpfalzblues, im sentimentalen Abschiedsgedicht "Sag zum Abschied leise alla" oder in der Überschreibung des Deutschlandlied-Textes "Mannheim, Mannheim über alles". Daneben gab es eine Einführung in die Kurpfälzer Mundart und Beweise, dass Ausdrücke wie "Raachderda" oder "alla" trotz aller Verunsicherung der Norddeutschen aus dem Französischen kommen. Und wie gewohnt flogen Bonbons für den, der auf Fragen die rechte Antwort wusste. Ein Abend mit viel Spaß und Anregungen zum Nachdenken. (cha)