Kultur

Internationales Filmfestival "Personal Shopper" und "Djam" sind Filme der Reihe International Independent Cinema

Von Geistern, Griechenland und Freiheit

Mannheim/Heidelberg.Sie könnten unterschiedlicher kaum sein, und doch ähneln sie sich in zwei Punkten: Beide stammen aus Frankreich und begleiten junge Frauen auf ihrem Weg zur Freiheit. Die Rede ist von zwei Filmen der Reihe International Independent Cinema, die das International Filmfestival präsentiert: "Personal Shopper" von Olivier Assayas und "Djam" von Tony Gatlif. Ersterer wurde 2015 beim hiesigen Festival als "Master of Cinema" geehrt.

Maureen (Kristen Stewart) arbeitet in Paris als "Personal Shopper" (persönliche Einkäuferin) für eine exzentrische Modedesignerin. Sie hasst ihren Job und auch das Leben in dieser Stadt. Warum also bleibt sie? "Ich warte", lautet ihre Antwort. Sie - ihres Zeichens ein Medium, das Kontakt zu Verstorbenen aufnimmt - schläft in dem Haus ihres kürzlich verstorbenen Bruders mit der Hoffnung, dass sich dieser zu Wort meldet. Die beiden gaben sich ein Versprechen: Stirbt der eine, schickt er dem anderen ein Zeichen aus dem Jenseits. Und dann? "Dann werde ich mein Leben leben und loslassen", erklärt Maureen.

Transzendente Erscheinungen versprechen: Das ist ein Fantasy... na was nun -drama? -thriller? Irgendwie von beidem etwas. Ein Drama, weil die Heldin durchweg von schmerzhaften Erinnerungen geplagt ist. Sie lacht nicht, hat Augenringe, trauert. Ein Thriller wird es, als sie SMS von einem Unbekannten bekommt. Ist das der Bruder? Nein, ein psychopathischer Stalker, dessen Nachrichten Maureen manisch abhängig machen und sie dazu bringen, sich immer tiefer in Gefahrenzonen hereinzuwagen.

Komplizierter Charakter

Anfangs findet man keinen Zugang zu Maureen, verspürt den Wunsch, sie zu verstehen. Eine unglücklich übertriebene Tristesse sowie der Zwist zwischen der schillernden Modeindustrie und dem etwas ranzigen Leben Maureens rütteln an der Glaubwürdigkeit des Charakters. Peu à peu erkennt man jedoch die komplizierte Figur, die sich hinter der Protagonistin verbirgt. Nicht zuletzt durch die hervorragende Darbietung Stewarts.

Ganz anders - eher unanständig - präsentiert sich Djam (Daphne Patakia) aus Griechenland, die nach Istanbul reist, um ein Motorteil für das Schiff der Familie zu besorgen. Dort trifft sie auf die verlorene Avril, derer sie sich annimmt.

Jede Begegnung spiegelt ein anderes - zumeist griechisches - Thema wider. Sei es die faschistische Geschichte, die Verfolgung von Freigeistern, die Finanz- oder Flüchtlingskrise oder Feminismus. Alles wird angerissen, und manifestiert die linke Position des Autors. Das zeigt sich auch in der üppigen Präsentation der griechisch-türkischen Musik-Bewegung "Rembetico".

Die Handlung ist, auch wegen der aufgesetzt wirkenden Nacktheit, die nichts zu der Geschichte beiträgt, nicht der Clou. Stattdessen treten die Beziehungen hervor, die die Charaktere untereinander entwickeln. Auch die Heldin lernt durch ebendiese Beziehungen, dass das Leben nicht nur Spaß ist, sondern sehr schnell sehr ernst werden kann. Eine Entwicklung von jugendlicher Unbefangenheit über tiefe Trauer und Wut bis hin zu Akzeptanz.