Kultur

Performance Guiseppina Tragni inszeniert „Bodybilder“

Von Körpern im Wandel

Archivartikel

Fünf junge Frauen sprechen über ihren Körper und übersetzen ihre Empfindungen in ausdrucksstarke Bewegungen. Eindrucksvoll sezieren sie ihr inneres Bild vom Körper, das sich aus uneinheitlichen Splittern zusammensetzt. „Wärst du gerne verschleiert?“, fragt die eine; oder „hast du Angst vorm Vergleich?“, eine andere. „Bodybilder“ ist von der Regisseurin Guiseppina Tragni inszeniert, die seit 2018 die Junge Bühne am Theater im Pfalzbau leitet. Zusammen mit der in Mannheim im Eintanzhaus ansässigen Tänzerin und Choreographin Julie Pécard und den fünf jugendlichen Performerinnen hat sie die Körperbilder entworfen. Dabei werden nicht nur provokante Fragen gestellt, sondern mit Witz und einem erstaunlichen Gespür für Absurdes weitere Dimensionen des Themas eröffnet. Etwa wenn sich zwei Akteurinnen als Youtube-Influencerinnen in Sachen Kosmetik vor die Kamera wie vor einen Spiegel stellen und beim Schminken ihre Tipps abgeben. Eine groteske Show wird daraus – die Gesichter sind gleichzeitig in Großaufnahme auf die Bühnenrückwand projiziert – weil sich das Duo einen sensationellen Schlagabtausch liefert zwischen Werbetext und geschminkter Maskerade.

Brautkleider, weiße Perücken

Am Ende drehen sich die fünf Performerinnen in weißen Brautkleidern – ihre Gesichter durch weiße Perücken vereinheitlicht. Sie rotieren im Kreis bis zur Erschöpfung und durchbrechen damit selbstbewusst das romantische Idealbild des weiblichen Körpers.

Auch vom Körper handelt die Performance „May He Rise and Smell the Fragrance“ (Möge er auferstehen und den Duft riechen). Darin erinnert der aus dem Libanon stammende Tänzer Ali Chahrour an die Kriegsopfer im Nahen Osten. Zwei Musiker spielen auf traditionellen arabischen Instrumenten und ein Mann findet tanzend seinen Weg ins Jenseits. Dafür aber ist eine Priesterin verantwortlich. Ihr Gesang wacht über Leben und Tod. Ihr unfassbares Lied trifft uns Zuhörende tief ins Mark. Denn der Sound ist aus unzähligen Klangfäden verschiedener Couleur gewebt.

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