Kultur

Theaterschiff Heilbronn Der Literat Rainer Moritz und seine Liebe zum Schlager

Von Peter Alexander bis Marianne Rosenberg

Archivartikel

1958 wurde er in Heilbronn geboren. Nach dem Abitur am Robert-Mayer-Gymnasium studierte er an der Universität Tübingen Germanistik, Philosophie und Romanistik und promovierte mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über Hermann Lenz.

Seit 2005 leitet er, noch Tätigkeiten in verschiedenen Verlagen, das Literaturhaus Hamburg.

Jetzt kehrte Rainer Moritz wieder einmal in seine Heimatstadt zurück und gastierte auf dem Theaterschiff. Dabei präsentierte der Literat ein Programm, das wohl mit Texten, aber ebenso mit Musik zu tun hat. Wie der emeritierte Stuttgarter Literaturprofessor Volker Klotz seine Liebe zur Operette in mehreren Büchern dokumentierte, so gehört die Liebe von Rainer Moritz dem Schlager.

Und ihm widmete er nun sein Solo-Programm unter dem Titel „Weine nicht, wenn der Regen fällt“, den Anfangszeilen von Drafi Deutschers Schlager „Marmor, Stein und Eisen bricht“.

Der, einschließlich einer Pause, rund zweistündige Vortragsabend, mit eingeblendeten Musikbeispielen, ist eine Schlager-Revue. Dabei setzt sich Rainer Moritz unterhaltsam, ironisch und kritisch mit seiner heimlichen Liebe auseinander und liefert gleichzeitig einen Rückblick auf die Schlagergeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Doch nicht nur das, er untersucht auch die Texte auf ihre soziologische Bedeutung in der jeweiligen Zeit – und das keinesfalls trocken, aber dennoch wissenschaftlichen Ansprüchen genügend, vor allem jedoch mit Witz.

Und so führt Rainer Moritz, dem dabei das Käthchen nicht genügt, Heilbronn auf seine Art „zurück in die Weltliteratur“. Am Anfang steht Bill Ramseys „Pigalle“, mit dessen Vortrag in der Heilbronner Bäckerei Käser, Ecke Goethe/Schillerstraße – geradezu symbolisch der Ort – der kleine Rainer seinen ersten, mit einer Gratis-Brezel belohnten Erfolg hatte. Danach passieren sie Revue, alle die Namen und Texte, die für den Schlager stehen, den manche als „Opium fürs Volk“ bezeichnen und in dem zu rund 85 Prozent die Liebe thematisiert wird. Und so beginnt denn Rainer Moritz seinen Rückblick mit Ralph Maria Siegels „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“, kreiert 1960 von Connie Francis.

Danach geht es zeitlich zurück und man hört die „Capri-Fischer“, gesungen von Rudi Schuricke. „Im Hafen von Adano“ mit Rene Carol wird ebenso angesprochen wie „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ mit Paul Kuhn. Dabei zeigt Rainer Moritz das Phänomen auf, dass immer mehr der Sänger zur Marke wird. Freddy Quinns „Seemann, deine Heimat ist das Meer“ wird ebenso genannt wie Nana Mouskouri mit „Weiße Rosen aus Athen“. Unterschwellige Erotik kommt zum Vorschein wie bei Lolitas „Männer, Masten und Matrosen“, bei Gunter Gabriels „Komm unter meine Decke“ und bei „Ein Bett im Kornfeld“ von Jürgen Drews sowie bei „Ich möcht’ der Knopf an deiner Bluse sein“ von Bata Illic.

Geradezu philosophisch nimmt sich da „Hier ist ein Mensch“ von Peter Alexander und Alexandras „Mein Freund der Baum“ aus, gesellschaftskritisch „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ von Gunter Gebriel. An „Vader Abraham“, den niederländischen Sänger, Komponisten und Texter wird erinnert, ebenso an Christian Bruhn, den „Mozart des Schlagers“. Howard Carpendale, seine Schlager, aber auch deren skurrile Texte – „Es geht um mehr, als bei wem ich nachts liege“ – werden beleuchtet. Marianne Rosenberg ist mit „Marleen, eine von uns beiden muss nun geh’n“ vertreten. Michael Holm begegnet man „Auf der Straße nach Mendocino“. Und Rainer Moritz begegnete man auf dem Theaterschiff Heilbraun und freute sich über seine eigenwillige Schlager-Revue. Dieter Schnabel