Kultur

Schwetzinger Festspiele Konzert der Hofmusik-Akademie

Von Residenz zu Residenz

Archivartikel

„Ein Naturdarm reagiert eben natürlich“, sagt der Dirigent zum Publikum. Das heißt: Er kann auch reißen, wenn man zu stark drückt, und das ist einer Geigerin von Werner Ehrhardt beim Konzert der Hofmusik-Akademie in Schwetzingen passiert.

Mit Stahlsaiten wäre das kaum geschehen, aber Ehrhardt mag die Dinger trotzdem nicht: „Die Zuverlässigkeit bringt Einbußen“, erklärt er – hauptsächlich im Hinblick auf die Farbwerte der alten Stücke, die im Rokokotheater ihrer Neuentdeckung harren. Wer historische Musik ausgräbt, muss auch historisch informiert und ausgestattet sein.

So geht es darmbesaitet und naturposaunenweich an Fürstenhöfe im Südwesten: Mannheim, Rastatt, Karlsruhe und Stuttgart. Werner Ehrhardt dirigiert wieder die Camerata Villa Musica, ein Stipendiaten-Kollektiv. Die Ersten Geigen werden freilich von der überaus erfahrenen Andrea Keller angeführt.

Auf diese Weise kommt ein sehr kompakter Klang zustande, der in einer etwa 1760 komponierten Es-Dur-Sinfonie von Anton Fils (damals Cellist in Mannheim) einen immer zielgerichteten und auf den schlanken Punkt kommenden Sturm und Drang verursacht. Werner Ehrhardt hat die Musiker auf schnelle Reaktionen eingeschworen. Auf eine Bewegungsstudie in vier Sätzen.

Spiel mit Überraschungen

Während Joseph Aloys Schmittbaur, jahrzehntelang Kapellmeister in Karlsruhe, für eine Hochzeit regionaler Royals eine C-Dur-Sinfonie verfasste. Barscher, aufgerauter Sturm und Drang durfte das nicht sein, aber Ehrhardt inszeniert ein raffiniertes Spiel mit orchestralen Überraschungen und viel sagenden Pausen.

Gesungen wird an diesem Abend auch: Die Israelin Mayan Goldenfeld gibt eine kleine Kostprobe aus Niccolò Jommellis Oper „Didone abbandonata“. Zur vokalen Schönheitskönigin wird die verlassene Karthagerin bei dieser jungen Sopranistin nicht. Eher zur Drama-Queen. Aber so muss es ja auch sein. HGF