Kultur

Theaterschiff Heilbronn Regisseur und Schauspieler Heinz Kiefer geht von Bord / Sein Nachfolger ist der gebürtige Oldenburger Christian Marten-Molnár / „Ironische Schlagerreise“ mit Andreas Posthoff

Von Rudi Schuricke über Jürgen Drews hin zu Helene Fischer

Nach 23 Jahren gibt es einen Kommandowechsel auf Deutschlands erstem Theaterschiff. Die Idee zu der außergewöhnlichen Spielstätte stammt von Heinz Kiefer, einem Schweizer, Jahrgang 1949, der in Straßburg einen Lastkahn, zehn Jahre jünger als er selbst, entdeckt hatte und in Klaus Rücker, dem ehemaligen DGB-Kreisvorsitzenden, und in Peter Friedel, einem inzwischen verstorbenen Grafiker, zwei Mitstreiter fand, um seinen Traum zu verwirklichen.

Zuerst ging der zum Theaterschiff umgebaute Lastkahn, mit 124 Sitzplätzen, im Heilbronner Wilhelmkanal beim Hagenbucher vor Anker, seit 1999 ist er am Neckarufer zwischen Friedrich-Ebert-Brücke und Götzenturm zu finden. Rund 150 Vorstellungen werden dort im Jahr geboten; Theater, Kabarett, Kleinkunst und Lesungen.

Der Kapitän verlässt das Schiff

Zum Ende der Spielzeit 2017/18 geht Kapitän Heinz Kiefer, Regisseur und Schauspieler, von Bord. Wenn er dann auch nicht mehr Künstlerischer Leiter ist, so bleibt er doch dem Theaterschiff Heilbronn zumindest noch als Geschäftsführer erhalten. Sein Nachfolger als Künstlerischer Leiter der originellen Bühne ist der 1960 in Oldenburg geborene Christian Marten-Molnár, der in Heilbronn kein Unbekannter ist.

Kam er doch, nach vorherigen Stationen in leitenden Positionen am Theater Hof, dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen, dem Theater Gießen, dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater und dem Theater Rudolstadt, 2008 als Chefdramaturg und stellvertretender Intendant ans Theater Heilbronn. Diese Position bekleidete er bis 2012. Seither ist er, der bislang über 60 Inszenierungen in den verschiedenen Theatersparten vorweisen kann, freiberuflich tätig.

Zum Abschied als Künstlerischer Leiter des Theaters Heilbronn präsentiert der Regisseur Heinz Kiefer ein Solo für einen Schauspieler. „Weine nicht, wenn der Regen fällt“ heißt die „ironische Schlagerreise“ von Rainer Moritz, einem inzwischen 60-jährigen, gebürtigen Heilbronner, der seit 2005 das Literaturhaus Hamburg leitet, Germanist, Literaturkritiker, Übersetzer und Autor ist und von dem es zu dem Thema bei Reclam 100 eine einschlägige Abhandlung mit dem Titel „Schlager“ gibt.

Weine nicht, wenn der Regen fällt

Mit Ausschnitten daraus hat der Autor, ebenfalls unter dem Titel „Weine nicht, wenn der Regen fällt“, auch schon einmal auf dem Theaterschiff Heilbronn gastiert. Jetzt ist Andreas Posthoff, Jahrgang 1961, aufgewachsen im Ruhrgebiet, Schauspielausbildung in Stuttgart, der Protagonist.

Die Anfangszeilen „Weine nicht, wenn der Regen fällt“ von Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ geben schon den Weg für diese unteraltsam-kurzweilige Darbietung vor.

Das Ganze ist eine Schlagerrevue in Wort und Text. Da wird die Frage gestellt: „Was ist ein Schlager?“. Und da wird vermeintlich wissenschaftlich untersucht, wie ein Schlager zum Evergreen wird.

Da wird Theodor W. Adorno als Apologet für den Schlager reklamiert, Kurt Tucholsky wird bemüht. Und man erfährt, nicht unerwartet, dass des Schlagers Lieblingsthema, nämlich zu über 80 Prozent, die Liebe ist.

Dabei passieren dann fast alle Revue, bunt durcheinander, die man aus dem Metier kennt: Rudi Schuricke, Rene Carol, Freddy Quinn, Lolita, Nana Mouskouri, Peter Alexander, Jürgen Drews, Daliah Lavi, Andrea Berg, Ireen Sheer, Howard Carpendale, Marianne Rosenberg und selbstverständlich auch Helene Fischer, mit ihren einschlägigen Werken.

Seziert und interpretiert

Diese werden nicht nur seziert und interpretiert, vielmehr erklingt auch zwischendurch die entsprechende Musik. Und so ist das Ganze eine von Andreas Posthoff stimmlich und spielerisch gekonnt gestaltete Unterhaltungs-Show, die Heinz Kiefer mit der von ihm gewohnten leichten Hand eines versierten Regisseurs geschickt in Heilbronn in Szene gesetzt hat. Dieter Schnabel