Kultur

Performance Ungewöhnliche Klänge im Eintanzhaus

Von starker Intensität

Archivartikel

Ungewöhnliches Szenario: Die üblichen Sitzplätze im Eintanzhaus sind durch schwarze Vorhänge abgesperrt, Besucher und Besucherinnen der Veranstaltung werden auf den Bühnenraum verwiesen. In der ehemaligen Kirche liegt er zu ebener Erde vor den ansteigenden Rängen.

Hier verteilen sich die Leute in einem lockeren Kreis; einige nutzen ein paar bereitgestellte Hocker, andere bleiben stehen, die meisten setzen oder legen sich auf den Boden. Und alle lauschen den Klängen, die im Mittelpunkt des Kreises erzeugt werden.

Zusehen muss nicht unbedingt sein, denn wie im „Audioguide“-Motto des Abends angekündigt, ist es eine Art Hörspiel, von einem Dreierteam live produziert in Sprache, Geräuschen und Musik. Unter Zuhilfenahme einer geballten Ladung Elektronik, deren einzelne Bestandteile auf einem ausgelegten Programmzettel penibel aufgezählt werden. Neun Lautsprecherboxen zum Beispiel sind rund um die Bühne installiert und schaffen so etwas wie einen magischen Zirkel, wenn Sound-Fetzen rotierend durch sie hindurchgejagt werden.

Geräusche aller Art

Körperlos schwebend, denaturiert geradezu, wirken die Töne der elektronisch verfremdeten Klarinette von Steffen Dix. In Mannheim bekannt als Saxofonist der deutsch-indischen Akustik-Formation NeckarGanga, ist Dix auch an Keyboard und Laptop als feinfühliger Sound-Manipulator aktiv. Texte in englischer Sprache sprechen Luise Gabel und Sebastian Fuchs; beide mit Rundfunk-Erfahrung und einer breiten Palette stimmlicher Gestaltung, Fuchs daneben als virtuoser „Beatboxer“ ganz nahe am Mikrofon Geräusche aller Art generierend.

Thema der Drei ist eine virtuelle Reise; mehr noch, wegen der starken suggestiven Intensität ihres Vortrags, ein psychedelischer Trip: Dessen Ziel ist es, ausgehend von einem Gedicht von T.S. Eliot, tief einzudringen in die Möglichkeiten wie die Problematik sinnlicher Wahrnehmung im Bewusstsein des Menschen. Ein anspruchsvolles Vorhaben, dem nicht leicht zu folgen war. Wohl nicht nur der Rezensent wäre froh gewesen, hätte er eine Tonaufzeichnung der Performance mit nach Hause nehmen können – zum Nachhören.

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