Kultur

Kunst Mannheimer Prince House Gallery beginnt an ihrer Zwischenstation Q6/Q7 mit Arbeiten von Katerina Belkina, Peter Mathis und Michael Lerche

Vorbilder aus Märchen und der Kunstgeschichte

Archivartikel

Dass „Zwischenwelten“ keine Leerräume sind, sondern durchaus ein dynamisches Eigenleben entfalten, zeigt der neue Standort der Prince House Gallery im Stadtquartier Q6/Q7, der so bezeichnet wird. Bis 31. März 2020 geht hier die Galeriearbeit nach Jahren auf dem Turley-Gelände weiter. Dann wird an einem anderen Ort in der Innenstadt wieder eine neue dauerhafte Galerie bezogen (wie berichtet).

Im Programm der momentanen Ausstellung dominieren drei Künstler mit unterschiedlichen Stilrichtungen. Am augenfälligsten sind die Arbeiten der aus Russland stammenden Künstlerin Katerina Belkina, deren großformatiges Triptychon die Aufmerksamkeit geradezu magisch anzieht. Im Mittelteil haben wir es hier mit stark farbiger, figurativer Malerei zu tun. In den beiden Seitenflügeln sehen wir Architekturzeichnungen, welche die festungsartige Kulisse des Mittelteils skizzenhaft weiterführen. Das Paar, das im Zentrum eine starke Stellung einnimmt – er ein zerlumpt aussehender Spielmann, sie, eine vornehm gekleidete junge Dame, deren Widerwille der Situation gegenüber offensichtlich ist, wirkt spannend.

Erweitertes Spektrum

Wie bei anderen Bildern in den lichtdurchfluteten Räumen stellt auch bei diesem Werk der Titel Bezüge zu Märchen her. Bei dieser Arbeit geht es um König Drosselbart, dessen tiefenpsychologisch motivierte Geschichte hier als Vorlage diente. Bei anderen Arbeiten lässt sie sich von Vorbildern aus der Kunstgeschichte inspirieren, so Jean Fouquets (1420-1481) Diptychon von Melun. Basis der Realisierung ist die Fotografie, die im Computer von Katerina Belkina malerisch überarbeitet wird, wodurch eine hyperrealistische Wirkung entsteht. Diese Vorlage wird dann über ein hochkomplexes Verfahren (Archival Pigment Print) gedruckt und ediert.

Peter Mathis ist in der Prince House Gallery, die ihren Schwerpunkt im Bereich Fotografie hat, ein alter Bekannter. Seine atemberaubenden Naturaufnahmen sind ganz reduziert. So die schwarz-weiß Aufnahmen von der britischen Küste mit ihren zerklüfteten Felsen und gigantischen Klippen, von denen es ein paar eindrucksvolle Exemplare in der Ausstellung gibt, daneben einige ganz reduzierte Zeichnungen, abstrakte Definitionen von Raum, die ihm mit nur wenigen Andeutungen gelingen.

Heidelberger mit Fundstücken

Der in Heidelberg lebende Maler Michael Lerche ist der Dritte im Bunde der Ausstellung. Er beeindruckt durch seine Kombination von Malerei und Naturobjekten, also Fundstücken, die der Künstler in seine Bilder einbaut. Durch die entsprechende Bearbeitung dieser Fundstücke gelingt es ihm, mit den Ebenen zu spielen und die dreidimensionalen Teile über die Farbgebung mit der zweidimensionalen Malfläche optisch zu verschmelzen.

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