Kultur

Schwetzinger Festspiele Geigerin Antje Weithaas

Wachsen der Wurzelkraft

Archivartikel

Mag ja sein: Wenn man die künstlerische Kragenweite dieser Geigerin in Rechnung stellt, ist Antje Weithaas ein Geheimtipp. Immer noch. Aber nicht überall: In Schwetzingen ist sie seit Jahren eine feste Größe bei den SWR-Festspielen, und 2018 gar Artist-in-Residence. In all ihren Facetten wird sie porträtiert: solistisch, kammermusikalisch, orchestral. Für Letzteres wurde es höchste Zeit, denn ihre Position als Künstlerische Leiterin der – dirigentenlosen – Camerata Bern wird sie in diesem Sommer nach acht Jahren abtreten.

Gleißend heller Ton

In Schwetzingen lässt sich noch einmal abschätzen, wie tief die deutsche Geigerin das Schweizer Kollektiv in dieser Zeit geprägt hat. Es ist fast Weithaas hoch 14, denn die Camerata tritt im Mozartsaal mit 14 Streichern an. Das Thema des Konzerts ist das Verhältnis zwischen Volks- und Kunstmusik, und zwar in seinen englischen und ungarischen Ausprägungen – ein „Back to the roots“, das man im Land der „Zukunftsmusiker“ oft nicht für nötig hielt: in Deutschland.

Während man in Ungarn echte Feldforschung betrieb. In Zoltán Kodálys „Marosszéker Tänzen“ fährt sie eine reiche Ernte ein, die Camerata Bern kostet das auch solistisch aus, an Bratsche, Kontrabass und Geige –Antje Weithaas’ immer fokussierter Ton ist dabei gleißend hell und könnte Löcher in die Wand brennen.

So aufgekratzt, detailversessen und pointiert spielen die Musiker den ganzen Abend lang, getrieben von dem Ehrgeiz, noch dem winzigsten Variationensatz Benjamin Brittens (auf ein Thema von Frank Bridge) zu einem individuellen Zuschnitt zu verhelfen. Wuchtig orchestral und kammermusikalisch fein in einem. HGF