Kultur

Kissinger Sommer Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker

Wahres Fest der Sinne geboten

Das Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker unter dem Dirigenten Gustavo Gimeno mit der georgischen Pianistin Khatia Buniatishvili bereitete im Max-Littmann-Saal des Kissinger Regentenbaus ein wahres Fest der Sinne.

Das russische Blut kochte

Nach der schwungvoll dargebotenen Ouvertüre zur Oper „Die Zarenbraut“ von Nikolai Rimski-Korsakow kochte das russische Blut im Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op.23 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky voll über. Pianistin Buniatishvili beherrscht bekanntlich das Repertoire der beliebten großen Klavierkonzerte, meistert schwere Brocken, die mit atem-beraubenden technischen und interpretatorischen Schwierigkeiten durchsetzt sind.

Mit der Pianistin und dem exzellenten Orchester kam es zu lebhaften Dialogen in fabelhaft organischem Zusammenspiel. Solo- und Orchesterpartie flossen nahtlos ineinander. Jede agogische Nuance wurde in absoluter Übereinstimmung gesetzt. Damit entstand ein produktives Spannungsfeld zwischen den Parteien, zugleich ein Hymnus brillanter Klaviervirtuosität.

Bei solchem Musizieren blieb Klarheit oberstes Gebot in einem hinreißenden Duell, in dem nicht nur das Drängende und Donnernde, sondern auch das lyrische Element trefflich zum Tragen kamen. Buniatishvilis überragende technische Möglichkeiten konnten mühelos bei Oktavenketten losdonnern und brachten das Publikum bei intimeren Versenkungen mit ihrer bis in die Fingerspitzen fein ausziselierten Anschlagskunst zum Entzücken.

Formsicherheit und Lebendigkeit hielten sich konstant die Waage. Im Prestissimo-Intermezzo des langsamen Satzes verlief ihre wie aus dem Ärmel geschüttelte Rasanz ohne leere Oberflächlichkeit. Kein Detail wurde übertüncht. Der Klang war allenthalben erfrischend hell, und in den weniger heftig losstürmenden Abschnitten fast kammermusikalisch zart. Stets beeindruckte bei ihrem Spiel die aufwühlende Präsenz, deren Wirkung sich nicht allein in der virtuosen Präsentation erschöpfte. Nichts klang vorlaut. Das Dramatische wechselte zu einer elegischen Komponente, wobei gleichsam ein sonniger Himmel die nachfühlbare Schwermut dieses Klavierkonzertes geradezu mild erstrahlen ließ.

Überschwängliche Begeisterung

Solche Eindrücke fügten sich in der siebensätzigen Ballett-Suite „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky zu einem farbenfrohen, rhythmisch prickenden Ganzen zusammen. Da sprühten Funken aus überschwänglicher Begeisterung über, tänzerische Leichtfüßigkeit vollzog sich zuhauf.

Die Spielfreude des Orchesters kam gänzlich zur Entfaltung. Die solistischen Passagen der Bläser ertönten bravourös und gut in den Gesamtklang integriert. Jede Einzelheit der rhythmisch diffizilen Partitur wurde präzise herausgearbeitet und in der leuchtkräftigen Instrumentation lebendig wiedergegeben. Enthusiastischer und verdienter Applaus gab es am Ende für alle Beteiligten. Klaus Linsenmeyer