Kultur

Kunst Helena Feher zu Gast bei „Talk Fotografie“ im rem

Wann ist Frau Frau?

Archivartikel

Helena Feher beweist es: Fotografie ist spannend. 1993 geboren, hat sie an der Hochschule Mannheim studiert. Und mit „Damater“, ihrer Abschlussarbeit als staatlich geprüfte Grafik-Designerin, hat sie einen souveränen Vormittag gestaltet.

Der Leiter des „Forum internationale Fotografie“, Claude W. Sui, hatte Feher ins Museum Weltkulturen eingeladen. Ganz unaufgeregt begann sie ihren Vortrag mit den Worten von Simone de Beauvoir: „Man kommt nicht als Frau auf die Welt. Man wird dazu gemacht.“Aber wie vermittelt man solche Prozesse?, das fragte sich die Studentin, und arbeitete ihre Kapitel „Mythologie“, „Fruchtbarkeit“ und Sündhaftigkeit“ aus, die sie letztlich in einem Buch zusammengefasst hat.

Damater (auch Demeter), so ihr Gedanke, die Urmutter der griechischen Mythologie, trägt eine Ambivalenz in sich, die Feher zu weiteren Gedanken bewog. Von der Mutter-Tochter Beziehung führt die Fotografin zur „Femme fatale“, dem Schlangenweib Medusa, der Athena die Schönheit nahm, weil sie durch diese Poseidon betörte und ihre Vergewaltigung hervorrief. „Der Gedanke, dass Frauen ihre Reize nicht unter Kontrolle haben und an Vergewaltigungen selbst Schuld sind“, so Sui, sei bis heute nicht ausgelöscht.

Kulturelle Unterschiede

Wie schön die Frau auf Fehers erst gezeigtem Foto ist, was ihr wildes Haar aussagt, forderte die Gäste zur eigenen Meinungsbildung heraus. Die Reihe „Talk Fotografie“ heißt ja, über Fotografie reden, über Assoziationen, über das eigene Sehen. Das führte auch beim Kapitel „Fruchtbarkeit“ zum Austausch, etwa über das Foto von saftigen, roten Beeren auf einem weißem Flies, ein ästhetisches Menstruationsbild, oder bei einer Scham, mit Blättern und Rispen umlegt, die Feher mit der göttlichen Gaia, der Urkraft des Lebens, verbindet.

Die analogen Aufnahmen sind ansprechend, aber nie anreizend. Selbst das Thema „Sündhaftigkeit“ kommt ordentlich daher, mit symbolisch aufgeschlitztem Granatapfel, einer Hummel im Mund oder mit einem aufgeklappten Fischfilet, das noch als erotischstes unter den Fotos zu bezeichnen wäre. „Was wäre“, so Sui, „wenn man diese Fotos in Indien, im Iran oder in anderen Kulturen zeigen würde?“ Fotografie hat die Gesellschaft verändert. „Was man als Mann hineindenkt“, so sagt ein Besucher, „ist ein komplexes Thema“. 

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