Kultur

Kunst Architekturfotografie von Wilhelm und Heieck

Wechselspiel aus Licht und Form

Archivartikel

„Photographie“ heißt ins Deutsche übersetzt: „Zeichnen mit Licht“. Das hört sich einfach an, aber bis es möglich war, die Zeichen des Lichts zu konservieren, bedurfte es außer der „Camera Obscura“, die seit dem 17. Jahrhundert angewandt wurde, allerlei weiterer Erfindungen, deren Dimension man sich im digitalen Zeitalter kaum mehr vorstellen kann. Während solche Techniken weitgehend vergessen sind, leben sie in der Bildenden Kunst weiter.

Günther Wilhelm kennt die Verfahren bis ins Detail und verfügt über Materialien, die teils gar nicht mehr hergestellt werden. Zusammen mit seinem Kollegen Jörg Heieck stellt er zurzeit aus. Besucht man Wilhelms Werkstatt im Ludwigshafener Hemshof, ist man in einem Jahrhundert, in dem man noch mit echten Lithosteinen druckte.

Monumentale Wirkung

Thema der Ausstellung der Fotografen, die hier aufgebaut wurde, ist die Architektur. Wie anders sich diese darstellen lässt, wenn man statt der üblichen Technik die Lochkamera verwendet, wird an den Arbeiten von Wilhelm deutlich. Sie zeigen die Betonlandschaft hinter dem Ludwigshafener Rathaus, die einst städtebauliche Akzente setze, heute aber ziemlich verwahrlost und abgenutzt wirkt. Im Werk Wilhelms feiert sie ihre ästhetische Wiedergeburt, denn die Lochkamera lässt hässliche Details verschwinden und zeigt nur die reinen Formen. Außerdem verschwindet bei der langen Belichtungszeit und relativ großen Blendenöffnung alles, was sich bewegt, sodass eine atmosphärisch dichte Stimmung entsteht.

Ein anderes Projekt Wilhelms widmet sich Bauten von Conrad Freytag (1846-1921), der als einer der ersten Gebäude in Eisenbeton realisierte. Diese architektonischen Meilensteine erhalten in den Fotos von Wilhelm eine geradezu monumentale Wirkung. Die angewandte Technik ist die Kallitypie, bei der eigentlich ein brauner Ton entstehen sollte, der aber von Wilhelm zu einem dunkleren Grauton abgewandelt wurde. Hier zeigt sich, wie nuancenreich die Varianten sind, welche bei der Entwicklung im Labor entstehen können und wie viele Möglichkeiten sich für die Gestaltung ergeben.

Obwohl sich Jörg Heieck von der Motivwahl nicht unterscheidet, ist die Wirkung doch eine andere, denn er zeigt in der Schau Cyanotypien. Für dieses Verfahren ist der bläuliche Ton charakteristisch, der bei der Entwicklung entsteht. Mit der Kamera in der Hand ist er unter den Ludwigshafener Hochstraßen auf Entdeckungsreise gegangen und hat sich dort besondere Blickwinkel gesucht, aus denen er die Monumentalbauten fotografiert hat. Dabei entstand eine Werkreihe in Blau, die wie eine Serie konstruktivistischer Kompositionen anmutet. Heieck stammt aus Kaiserslautern und hat im Fach Physik promoviert. Sein fotografisches Schlüsselerlebnis hatte er in den schottischen Highlands.

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