Kultur

Schwetzinger Festspiele Capella de la Torre huldigt Autorinnen

Wegbereiterinnen Pizan und Navarra

Archivartikel

Sie waren ihrer Zeit weit voraus und ließen sich von den herrschenden Ansichten der Männer-dominierten Welt nicht einschüchtern: Christine de Pizan (1365 - 1430) und Margarete von Navarra (1492 - 1549) zählen zu den Wegbereitern der Frauenemanzipation. Sie schrieben neben Gedichten zahlreiche Abhandlungen über politische, religiöse und sittenrechtliche Fragen ihrer Zeit und hielten darin der Gesellschaft den Spiegel vor.

Die Schwetzinger Festspiele haben diesen beiden Schriftstellerinnen jeweils einen Abend gewidmet und deren Leben und Werk in einer meisterhaften Inszenierung aus Lesung und Musik vorüberziehen lassen. Ideengeberin Dorothee Schabert, Dramaturgin Bettina Winkler und Regisseurin Iris Drögekamp war es gelungen, die Berliner Schauspielerin Ulrike Krumbiegel, die Sopranistin Margaret Hunter und das Ensemble für alte Musik Capella de la Torre zu gewinnen, die über den zweimal voll besetzten Jagdsaal des Schlosses eine wohltuend klangvolle und gedankenanregende Atmosphäre legten.

Die in Paris lebende Venezianerin Christine de Pizan und die aus Angoulême stammende Margarete von Navarra hatten nicht nur das große Glück, eine fundierte Ausbildung zu erhalten, ihnen waren auch die Tore zu den Herrschern der damaligen Zeit geöffnet: Christine über ihren Vater zum Hof Karl V., Margarete über ihren Kultur und Wissenschaft pflegenden Bruder Francois, der 1515 zum König von Frankreich ernannt wurde.

Kluge Frauen erleben Katastrophe

Als kluge Frauen verfolgten sie die katastrophalen Zustände: während des hundertjährigen Krieges die eine, während der Glaubenskämpfe zur Zeit der Reformation die andere. Und stets hatten sie die Möglichkeit, mit Herrschern zu debattieren und Bücher zu schreiben.

Das wichtigste Werk der Christine ist ihre Utopie von einer „Stadt der Frauen“, in dem die Prinzipien Vernunft, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit herrschen. Margarete hingegen hat sich mit ihrem berühmten Werk Heptameron hervorgetan. Diese mit so viel Charme und Humor gegebenen Einblicke in die Sittengeschichte der Renaissance las und spielte Ulrike Krumbiegel so überzeugend, ebenso wie Margaret Hunter mit ihrem klaren Sopran die vertonten Gedichte sang.

Nicht zuletzt aber war es das wunderbare Sextett Capella de la Torre, das unter der Leitung von Katharina Bäuml faszinierte und mit dem gekonnten szenischen Einsatz von Schalmei, Laute, Pommer oder Trommel nahezu meditativ in den Bann zog.