Kultur

Burgfestspiele Jagsthausen Alexandra-Memorial mit Cornelia Corba und Bruno Renzi

Wehmütige Erinnerungen

Archivartikel

Ihre Karriere währte nur rund zwei Jahre, seit bald 50 Jahren ist sie tot, aber nicht vergessen

. Als Doris Wally Treitz wurde sie 1942 im heute zu Litauen gehörenden Heydekrug geboren, 1969 ist Doris Nefedov, die unter dem Namen Alexandra bekannt wurde, bei einem Autounfall im schleswig-holsteinischen Tellingstadt ums Leben gekommen.

Bei den Burgfestspielen Jagsthausen fand im Gewölbe der Götzenburg ein Alexandra-Memorial statt. Unter dem Titel „Alexandra – ihre Lieder, ihr Leben“ zeichneten Cornelia Corba und Bruno Renzi sozusagen in Wort, Bild und Ton das Leben der Schlagersängerin nach.

Auf der linken Seite der Bühne saß der Pianist Bruno Renzi, der Cornelia Corba, die Alexandra gab, und deren Liedvortrag einfühlsam begleitete. Auf der rechten standen ein Tisch und ein Stuhl.

Dort las Cornelia Corba Briefe Alexandras an ihre Mutter vor, zu der sie enge Beziehungen hatte, die auch in dem Unglücksfahrzeug saß, ebenso wie Alexandras Sohn Alexander, den sie Sascha nannte, die aber im Gegensatz zu ihm den Verkehrsunfall auch nicht überlebte. Im Hintergrund sah man Bilder aus Alexandras Leben und Wirken.

Nicht zuletzt war es Cornelia Corba, die an diesem Abend Alexandra sozusagen wiederauferstehen ließ. Sie erzählte von deren Entdeckung durch den Schallplattenproduzenten Fred Weyrich und der anschließenden Förderung durch den Manager Hans R. Beierlein. Von der ersten Tournee mit dem Orchester Hazy Osterwald war die Rede, der später eine durch Russland folgte.

Alexandras Kontakte zu den französischen Chansonniers Salvatore Adamo, Gilbert Bécaud und Yves Montand kamen ebenso zur Sprache wie ihre Freundschaft mit Udo Jürgens, dazu ihre Reise nach Brasilien, wo sie mit dem Musiker und Sänger Antônio Carlos Jobim zusammenarbeitete und „The Girl of Ipanema“ entstand. Und immer wieder erfuhr man, wo und in wen sich Alexandra verliebte, bis sie sich schließlich mit Pierre Lafaire verlobte, einem US-amerikanischen Geheimagenten, der bereits in Dänemark verheiratet war und sich als Heiratsschwindler entpuppte.

Vor allem aber waren es Alexandras Lieder, die sie bekannt machten, die an diesem Abend erklangen und die Erinnerungen an sie und ihre dunkel-rauchige Stimme weckten, die Cornelia Corba gut traf, die übrigens 1984 als damals 15-Jährige bei den Burgfestspielen Jagsthausen mitwirkte. Da müssen vor allem genannt werden: Alexandras erste Erfolge, mit dem von Hans Blum komponierten „Zigeunerjunge“ – „Ich war noch ein Kind, da kamen Zigeuner in unsere Stadt“ – und ihrem größten Erfolg, dem von Rudi Bauer

und Fred Weyrich stammenden Lied „Sehnsucht“ – „Sehnsucht heißt das Lied der Taiga“. Aber auch „Akkordeon“ und „Walzer des Sommers“, beide aus dem Jahr 1967, brachte die manchmal auch zur Gitarre greifende Cornelia Corba zu Gehör. Dazu selbstverständlich „Mein Freund der Baum“, ein Markenzeichen von Alexandra, und „Illusionen“, beide aus dem Jahr 1968. Und mit diesem zuletzt genannten Lied lieferte die sich nicht nur gut in ihre Rolle hineindenkende, sondern sozusagen in ihr aufgehende Cornelia Corba das Stichwort für diesen Abend. Sie vermittelte den Besuchern in dem bis

auf den letzten Platz besetzten Gewölbe der Götzenburg die Illusion, Alexandra sei nach Jagsthausen gekommen. Dieter Schnabel