Kultur

Film Regieteam zu Gast im Mannheimer Cinema Quadrat

Weltweiter Familiensinn

Eine Familie wie jede andere. Die Familie Saash, um die sich der Film „Global Family“ von Melanie Andernach und Andreas Köhler dreht, kämpft damit, den Interessen aller Verwandten gerecht zu werden. Die Dokumentation wird heute um 19.30 Uhr im Mannheimer Cinema Quadrat von Melanie Andernach präsentiert. Am Mittwoch, 11. Juli, um 19.30 Uhr wird sie erneut gezeigt.

Kinder, die versorgt werden wollen, Geldsorgen, eine pflegebedürftige Oma: Die Familie des in Deutschland lebenden, ehemaligen Kapitäns der somalischen Fußballnationalmannschaft „Captan“ Saash, unterscheidet sich nur dadurch von anderen Familien, dass sie – unfreiwillig – über die ganze Welt verteilt lebt. Seit der Flucht aus dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten Somalia versucht sie, wieder zusammen zu finden.

Es gibt keine Helden

Erfrischend ist, dass nicht nur die europäische Asylpolitik beleuchtet wird, die den Nachzug der in Äthiopien lebenden Großmutter Imra unmöglich macht. Vielmehr richten die Regisseure den Blick auch auf innerfamiliäre Schwierigkeiten. Die Großmutter nach Deutschland holen, bedeutet Arbeit, ist sich „Captan“ Shaashs Tochter, die vierfache Mutter Yasmin, bewusst. Zurück nach Afrika? Das kommt nicht in Frage. „Da leben doch diese Afrikaner“, sagt einer ihrer Sprösslinge und verdeutlicht Yasmins Dilemma: Während die Somalierin zwischen zwei Kulturkreisen zerrissen ist, fühlen sich ihre Kinder als Deutsche. Das Asylantenheim beäugen sie misstrauisch, über die somalischen Verwandten in Afrika, die nicht mal Tommy Hilfiger kennen, schütteln sie die Köpfe. Anstatt zu Imra nach Äthiopien, wollen sie zum Strandurlaub in die Türkei.

In diesem Film gibt es keine unfehlbaren Helden: Bruder Abdulahi gibt das aus Deutschland geschickte Geld für Drogen aus. Dafür kümmert er sich seit Jahren um die Familienälteste. Deshalb konnte er nie nach Europa, nie um ein besseres Leben kämpfen. Die Dokumentation zeigt keine Katastrophen, keine großen Momente. Der Film ist unaufgeregt, unterschwellig, moralisiert nicht und prangert keine Missstände an, sondern berichtet vom Leben einer Flüchtlingsfamilie fern der Heimat.