Kultur

Konzert Lisa Stansfield und ihre Band begeisterten rund 2200 Fans in der Alten Oper in Frankfurt

Wenn der Saal zum Tanzpalast wird

Was da auf das Publikum zukommen würde, ahnte in dem Moment, als Klaus Bönisch und Bernd Hoffmann im Großen Saal der Alten Oper ihre Ansprache halten noch niemand. Die beiden sind die Verantwortlichen des W-Festivals (ehemals Women of the World Festival), das bereits seit 2012 regelmäßig in Frankfurt stattfindet. Das Festival bietet jenseits aller Emanzipationsdebatten ausschließlich Künstlerinnen und Frontfrauen mit ihren Bands eine Bühne.

Als Bönisch und Hoffmann dann eine ganz große Frau des Musikgeschäftes ankündigen. Keine geringere als die „British Queen of White Soul“, Lisa Stansfield, betrat mit ihren acht Bandmitgliedern die Bühne des Großen Saals. Der Einstiegssong „Everything“ kommt beim Publikum zwar sehr gut an, jedoch scheint in den bestuhlten Reihen außer einem Kopfnicken und Fingerschnippen keine rechte Feierlaune aufkommen zu können.

Doch ein routinierter Star wie Lisa Stansfield, die bereits seit dem Ende der 80er Jahre auf den großen Bühnen dieser Welt zu Hause ist, erkennt die missliche Lage ihrer zum Sitzen verurteilten Fans. Während des zweiten Songs „Deeper“, dem Titelsong ihres aktuellen Albums, gibt sie ihr begeistertes Publikum frei: „If you wanna dance, you dance, wherever you are. That is what you are here to do.“

Als hätte es nur auf diese Worte gewartet, springt das Publikum von den Stühlen und verteilt sich auch auf den Gängen um sich endlich zu Songs wie „Never, Never Gonna Give You Up“, „Change“ oder „The Real Thing“ warm zu tanzen.

Die Mitarbeiter der Security brauchten gar nicht mehr zu versuchen das feierfreudige Publikum zum Hinsetzen aufzufordern, denn ab diesem Moment verwandelte sich der Saal in einen großen Tanzsaal. Von der ersten Reihe bis hoch auf die Empore hielt keinen mehr auf seinem Stuhl.

Dass ein Konzert zu einer solch frühen Zeit, immerhin begann es schon um 18:30 Uhr, zu solchen Begeisterungsstürmen führen könnte, daran hatte Lisa Stansfield im Vorfeld wohl selbst nicht so recht glauben können. Sie sagte gegen Ende des Konzertes, dass sie sich über den frühen Konzerttermin gewundert hatte, und durchaus etwas skeptisch an die ganze Sache herangegangen sei. Umso größer sei ihre Begeisterung, und sie fasste den Abend prägnant mit den Worten zusammen „It’s fucking fantastic!“ Nach gut 90 Minuten und 19 Songs verließen die rund 2200 begeisterten Fans die Alte Oper, die eine solch losgelöste Besucherschar wohl nicht alle Tage zu Gesicht bekommt. Anke Vogel