Kultur

Klassik Pianistin Olga Zado spielt im Stamitzsaal Romantik

Wenn die Schwermut schwebt

Archivartikel

Stimmt ja: Das CD-Zeitalter ist auch in der Klassik fast an seinem Ende angelangt. Aber erwähnen darf man schon, dass Olga Zado eine plattenhüllentaugliche Erscheinung wäre. Freilich eine, die auch musikalisch eine Menge mitzuteilen hat. Und so verlassen wir in Zados Mannheimer Solistenrecital im Stamitzsaal des Rosengartens den Bereich des Äußerlichen ziemlich rasch, die junge Pianistin aus Odessa – wo so viele große Interpretinnen und Interpreten auf die Welt gekommen sind – hat schließlich ein Programm erarbeitet, das voll ins Herz der deutschen Früh- und Hochromantik zielt. Nicht aus Kalkül, sondern aus Neigung, denn Romantik ist erkennbar Zados Herzensdisziplin.

Reiches Innenleben

Sie spielt zunächst die beiden Sammlungen der Schubert-Impromptus. Die alte Frage, ob die je vier Einzelstücke streng genommen zwei zusammenhängende Klaviersonaten darstellen, beantwortet die 28 Jahre alte Ukrainerin mit einem suggestiven Jain: Bei ihr ist jedes Einzel-Impromptu eine Sonate für sich selbst, natürlich nicht in den formalen Abläufen, aber im Reichtum seines Innenlebens, das sich zu subtil gegliederten Gefühlslandschaften auswächst.

Olga Zado ist bei aller mitempfindenden Romantik freilich immer auch ein Stück weit Klassizistin, deren leichter, weicher, aber stets präsenter Anschlag schon rein technisch-pianistisch ein Genuss ist. Etwa, wenn im Allegretto-Schlussstück aus der ersten Impromptu-Sammlung die Sechzehntel-Kaskaden nur so blitzen.

Und in der fis-Moll-Sonate Schumanns geht es ohnehin weit härter und konfliktreicher zur Sache, die zwei (namentlich bekannten) Seelen in der Brust werden zu Duellanten. Zados reaktionsschnelles Klavierspiel ist stets auf der Höhe des Geschehens, wenn die scheu-beredten Zärtlichkeiten von Eusebius mit den großen und bisweilen groben Unbeherrschtheiten von Florestan zusammenstoßen. Olga Zado allerdings zerfließt nicht mal das quasi-improvisatorische Finale zwischen ihren feinen Fingern.