Kultur

Comedy Andreas Müller im Mannheimer Rosengarten

Wer durchhält, gewinnt

Archivartikel

Als „Mann der 1000 Stimmen“ wurde er im Südwesten des selbsternannten „SWR3-Landes“ bekannt – und hat längst auch als Humorist jenseits der reinen Sprachimitation Wurzeln geschlagen: Andreas Müller. Und auch wenn er angesichts der Krisen dieser Welt keineswegs die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, so beobachtet er doch „disruptive Zeiten“, in denen Menschen von Macht und Moral den Bettel hinwerfen. „Neureuter, Nowitzki, Gottschalk – wohin soll das führen?“, fragt der Humorist und Comedy-Chef von Deutschlands größter Pop-Welle, um seine eigene Frage selbst nicht beantworten zu können. Und genau das ist der Knackpunkt dieses Abends. Denn auch, wenn Müller zwischen Winfried Kretschmann, Wolfgang Schäuble und Daniel Craig Persönlichkeiten auftut, die ihr Werk (noch) immer unverändert fortsetzen – dem Routinier selbst sei dazu nicht geraten.

Unterwegs im Bereich der Zote

Denn während Müllers Tanz auf der satirischen Rasierklinge beim letzten Mannheimer Gastspiel subtil-ironisch gelang, landet der SWR-Mann zwischen dem türkisch-syrischen Konflikt („Erdolf am Werk!“) und Peter Altmaiers Wunsch nach einem deutschen Weltraumbahnhof („Gibt es eigentlich so dicke Raketen?“) allzu oft im Randbereich der Zote. Das merkt man auch dem Publikum an, das an diesem Abend eher spärlich in den Mannheimer Rosengarten gefunden hat – und sich über weite Strecken auch vornehm zurückhält. Gejubelt wird meist dann, wenn sich Müller zwischen der Kult-Serie „Tuten Gag“, Mutti Merkel oder Kretschmann in das Heil der sympathisch aufgeladenen Radio-Comedy bewegt. Sonst zünden bestenfalls Pointen zwischen der Hängelampe Söder (die es so tatsächlich bei Ikea gibt) oder hohlen Schülern, die auch bei nicht vorhandener Schwimmkompetenz nicht untergehen. Witze, über deren Symbolkraft man streiten darf. Und so heißt es auch für Andreas Müller: Wer durchhält, gewinnt. Zumindest, wenn der nächste Besuch im Rosengarten an die zahllosen besseren Müller-Abende in Mannheim anknüpft.

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