Kultur

Archäologie Älteste Quittung Deutschlands in Hanau zu sehen

Wertvoller antiker Beleg

Archivartikel

Im Museum Schloss Steinheim in Hanau ist ab diesem Wochenende ein einzigartiges Dokument in einer Dauerausstellung zu sehen: die älteste Quittung Deutschlands. Ausgestellt wurde sie am 5. April im Jahr 130 nach Christus in Mainz. „In Mainz (...) habe ich erhalten 200 Denare an den Nonen des April als Catullinus und Aper Konsuln waren...“ – mehr ist von der Inschrift nicht mehr erhalten. Dennoch ist der Fund „von europäischer Dimension“, wie der Frankfurter Archäologe Markus Scholz bestätigt.

Die nur wenige Zentimeter große Holztafel war 1997 bei Grabungen am Hanauer Salisberg entdeckt worden und wurde seither in verschiedenen Ausstellungen gezeigt. Nun kehrt das Täfelchen als Dauerleihgabe des Hanauer Geschichtsvereins an seinen Fundort zurück, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD)gestern erklärte.

Es handle sich um einen „kulturgeschichtlich höchst bedeutsamen Fund“, betont Archäologe Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier. „Mit dem vorliegenden Schriftstück erhalten wir einen unschätzbaren Einblick in die alltägliche Finanzwelt vor 1900 Jahren. Vergleichbare Zeugnisse gibt es in Deutschland bisher nicht“, erklärt er. Man weiß zwar nicht, wofür das Geld seinerzeit den Besitzer wechselte, es muss aber etwas Wertvolles gewesen sein. Die quittierte Summe entsprach Reuter zufolge fast dem Jahreslohn eines Hilfstruppensoldaten.

Fast 2000 Jahre lang im Wasser

Quer zu den vier lateinischen Textzeilen kann man ein eingebranntes „M“ erkennen. Das Holzstück war nämlich, bevor es zur Quittung umfunktioniert wurde, vermutlich ein Warenanhänger. Dieser wiederum war noch früher wahrscheinlich die Einfassung einer Schreibtafel aus Wachs.

„Vergleichbare Quittungen muss es im Römischen Reich der Kaiserzeit millionenfach gegeben haben“, sagt der Frankfurter Archäologe Markus Scholz. Die meisten seien für Söldner ausgestellt worden. Dass das Hanauer Täfelchen erhalten blieb, ist ausgerechnet dem Umstand zu verdanken, dass es weggeworfen wurde und fast 2000 Jahre lang im Wasser lag.

Das Täfelchen gehört dem Finder, also dem Hanauer Geschichtsverein. Der hat es nun dem Museum Schloss Steinheim zur Verfügung gestellt. Präsentiert wird es in einer Klimavitrine – direkt neben dem Silbermünzschatz, wie Sabine Küppers erklärt, die Leiterin des Hanauer Museums.