Kultur

Buchvorstellung Gerda Lambrechts Erinnerungen

Wichtiges Zeitzeugnis

Was für eine Persönlichkeit und was für ein Leben! Gerda Lambrecht, 97, erzählt in der Mannheimer Galerie Theuer und Scherr Geschichten aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt, über die sie jetzt einen „Zeitzeugenbericht“ geschrieben und vorgestellt hat. Sie erzählt mit einer Lebendigkeit und Spritzigkeit, bei der manche(r) 60-Jährige nicht mehr mitkäme.

Ihrer außergewöhnlichen englischen Sprachkenntnisse wegen arbeitete sie unmittelbar nach Kriegsende als Übersetzerin für das amerikanische Militär und dort für das „Fine Arts and Monuments Departement“. Dessen viel Fingerspitzengefühl erfordernde Aufgabe bestand darin, zwischen Raubkunst, die natürlich zurückgegeben werden musste, und rechtmäßig erworbener Kunst zu unterscheiden – in einer Zeit ohne funktionierende staatliche Strukturen und nach den Verwüstungen des Weltkriegs, in denen all das verlorengegangen war, womit man normalerweise den Besitz von Gegenständen nachweist: Quittungen, Besitzurkunden.

Aus Notlagen geholfen

Gerda Lambrecht schildert Einzelfälle, die nicht repräsentativ sein mögen, aber ihre Schilderungen haben den ungeheueren Vorteil der Authentizität. Sie erzählt auch vom Versuch eines Offiziers, Bilder klammheimlich nach Amerika zu schmuggeln – auch eine Form von Raubkunst. Und sie erzählt von jenen Menschen, denen sie durch ihre privilegierte Stellung beim Militär aus allen möglichen Notlagen helfen konnte. Zeitzeugen wie sie sind inzwischen selten genug; solche, die willens und imstande sind, ihre Erfahrungen weiter zu geben, sind noch seltener. Man sollte ihnen wirklich danken. host