Kultur

Enjoy Jazz Britische Band Dinosaur in Ludwigshafen

Wie bei einer Landpartie

Archivartikel

In London, erwähnt Enjoy-Jazz-Leiter Rainer Kern vor Beginn in seiner Bühnenansage, fänden der Pandemie wegen nach wie vor kaum Konzerte statt. Um nicht ohne Stolz anzufügen: Dann müssten Musikerinnen und Musiker von dort halt nach Ludwigshafen kommen, wo das schon wieder möglich sei.

Dem Ruf aus der – mit Verlaub – deutschen Provinz ist mit Dinosaur ein Quartett um die Trompeterin Laura Jurd gefolgt. Eine noch recht junge Truppe; viel älter als dreißig dürfte keines der Mitglieder sein. Hierzulande sind sie so gut wie unbekannt, doch in ihrer Heimat werden sie hoch gelobt, gelten gar als eine Supergroup der jüngeren britischen Jazzszene.

Komplexe Kompositionen

Vorschusslorbeeren, die sie beim Auftritt im Kulturzentrum das Haus bestätigen. Die Vier sind glänzend aufeinander eingespielt. Dass sie seit einem Jahrzehnt zusammenarbeiten, merkt man nicht nur an der Präzision der Unisono-Passagen von Laura Jurd und Pianist Elliot Galvin bei der Vorstellung der Themen. Auch deren weitere Verarbeitung zeugt von gründlicher Vorbereitung. Denn die Struktur der einzelnen Stücke ist in sich sehr vielgestaltig, voller überraschender Übergänge, die mit Bravour bewältigt werden.

Dann die Aussagekraft dieser Kompositionen: Sie sind für Jazz-Verhältnisse ungewöhnlich leicht, ja geradezu licht in ihrem Charakter. Mehr als einmal fühlt man sich in ein fröhliches Treiben auf dem englischen Lande hineinversetzt, wenn Jurd auf ihrer Trompete Signaltöne bläst, die überhaupt nichts Militärisches an sich haben, was diesem Instrument sonst nicht eben fremd ist.

Warum aber hat sich die Gruppe den Namen Dinosaur gegeben? Vielleicht, weil sie trotz ihrer mentalen Eigenständigkeit und bei aller Modernität ihrer Improvisationen die Jazztradition in Ehren hält. Hörbar wird’s in einer fast schon wehmütigen Verbeugung vor den typischen Growl-Klangfarben der Trompete von Duke Ellington. Und dann in einem Blues zum Abschluss; allerdings einem erfrischend unkonventionell formulierten, wie das typisch ist für dieses Quartett. Rainer Kern hat gut daran getan, es nach Ludwigshafen zu holen. swm

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