Kultur

Klassik Bei der Beethoven-Nacht im Musensaal des Mannheimer Rosengartens bekommt Geigerin Viviane Hagner viel Beifall und Bravo-Rufe

Wie ein Zwiegespräch mit dem Komponisten

Das eingeführte Format funktioniert auch in Mannheim: Veranstalter Jochen Flamme musste mit seiner Beethoven-Nacht aus Heidelberg weichen, denn dort wird die angestammte Stadthalle mindestens zwei Jahre lang grundlegend renoviert, einschließlich Hubboden. Doch siehe da, der Musensaal war ausgebucht und Flamme will nächstes Jahr wiederkommen. Und das ist gut so, wenn eine so exzellente Solistin wie Viviane Hagner dabei ist.

Deren Auftritt mit dem D-Dur-Violinkonzert von Beethoven war von kaum übertreffbarer Schönheit und Intensität. Dabei verzichtet sie weitgehend auf die große Geste, sondern spielt das Werk wie eine sehr persönliche Zwiesprache mit dem Komponisten. Agogische Variabilität durchzieht ihre Wiedergabe, was naturgemäß dem Orchester feinfühliges Reaktionsvermögen abfordert, es manchmal auch ein wenig zu überfordern scheint. Hagner nimmt sich Zeit, die kantilenen Phrasen zu entwickeln und aufblühen zu lassen, ehe sie attackiert mit lustvollen Kadenzen. Ihre untadelige Tongebung und fein ziselierte Technik sind voller Nuancen und Facetten, ihre Musik atmet wunderschön als Privatissimum zwischen ihr und dem Komponisten. Die Wiedergabe hatte Referenzcharakter, wobei das Orchester, die Württembergische Philharmonie Reutlingen unter Chefdirigent Fawzì Haìmor, ein bisschen im Schatten der Solistin stand.

Lautes Scherzo

Bravos und riesige Begeisterung dankten Viviane Hagner, die ihrerseits mit einer hochvirtuosen Zugabe das Publikum verwöhnte. Es war wohl – mit allem Vorbehalt – eine Albeniz-Bearbeitung.

Eine ungewöhnlich lange Nacht mit zwei Pausen zu Ehren des Herrn Beethoven. Das tüchtige Orchester, welches im Konzert hiesiger Klangkörper durchaus mithalten kann, eröffnete mit der Egmont-Ouvertüre, ganz an deren idealistischem Gehalt orientiert. In der folgenden C-Dur Sinfonie, seiner ersten, mit welcher der Himmelsstürmer Beethoven damals sein Publikum irritiert hatte, mag man etwa im Menuetto und im Finale sanguinische Raffinesse vermisst haben, doch durchmaßen Dirigent und Orchester das Werk insgesamt sehr passabel.

Viel Musik fürs Eintrittsgeld. Das Orchester setzte nach der zweiten Pause noch die Eroica drauf und hinterließ mit ihrem hochherzigen, engagierten Zugang den geschlossensten Eindruck.

Den Trauermarsch trimmte der Dirigent weniger abgründig als vielmehr reine Musik, deren vielfältige Verflechtungen er mit seinen Instrumentalisten offenlegte. Natürlich ließ er es im Scherzo auch mal krachen, wobei das Orchester im Fortissimo weniger plastisch als laut spielt. Das kunstvoll aufgekantete Finale erzielte viel Wirkung. 

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