Kultur

Kunst Wolfgang Glass stellt seine eigenwilligen Arbeiten auf Papier im Institut für Deutsche Sprache in Mannheim aus

Wie früher und doch ganz anders

Archivartikel

Hier entführt einer ins Leben. Der Künstler Wolfgang Glass. Denn ohne Scheu und Scham stattet dieser seine strammbrüstigen Heldinnen mit viel Erotik aus. Neu ist das nicht. Denn gesehen haben wir solche Ladys bereits in den 1960er Jahren. Damals waren sie Pop-Art-Stars. Auch gegenwärtig, in der aktuellen Ausstellung im Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim, tragen sie ihre kurzen Röckchen und haben Beine, die gar nicht enden wollen.

Mittlerweile könnten sie zwar die Enkelgeneration der damaligen Girls in Pin-up-Pose sein, aber wenn es in den mitgelieferten Sprechblasen um Schlankheitsmethoden geht, scheinen sie so zeitlos wie gewisse Männerfantasien. Und die formuliert der Künstler mittels Grafiken, zeichnet Fetische in Lack und Leder, die er durchaus als Spielplatz für Visionen zur Verfügung stellt.

Aber zeigt Wolfgang Glass seine Comic-Girls etwa nur deshalb? Der Frage kann man sich spätestens beim letzten Werk der Sammlung stellen. Auf einem Diptychon sind zwei Frauenbilder zu sehen. Der 60-jährige Künstler hat sie mit sicheren Strichen aufs Papier gebracht. "It's really you?" - Bist du das wirklich? - lautet der Titel, und die Rückenansichten zeigen dem Betrachter, dass eine Veränderung des Frauenbildes längst stattgefunden hat. Und auch in "No more little nice girl" (nicht mehr kleines süßes Mädchen) verbildlicht Wolfgang Glass, welch starke Frauen in vermeintlichen Püppchen stecken können.

Diese "Super Women" zeigen demnach nicht den Perspektivenwechsel des Künstlers. Vielmehr malt, zeichnet und collagiert Wolfgang Glass Zitate, die über das vordergründig Gesehene hinausgehen. Sie wollen als Abbilder einer dynamischen Gesellschaft mit Rückgrat, einer kulturellen Veränderung gelesen werden.

"Vielleicht können Generationen nach uns erst spüren, wer wir wirklich waren, wenn sie unsere Kunst betrachten", sinniert der Neustädter, dessen mehrdeutige "Bild-Sprache" nun im IDS zu entdecken ist.