Kultur

Lesen.Hören III Vier Kritiker diskutieren zum Festivalabschluss

Wie im literarischen Quartett

Archivartikel

Trotz starken Böen ging es bei „Vier Leser im Gespräch“ nicht allzu stürmisch zu. In der Sonntagsmatinee mit der das die 13. Auflage des Literaturfests Lesen.Hören 13 endete, saßen professionelle Kritiker, die zwar kontrovers diskutierten, aber Donnerschläge stilvoll ausließen. Obgleich Marie Schmidt („Süddeutsche Zeitung“) mit dem Roman „Serotonin“ von Michel Houellebecq einen herausfordernden Aufschlag machte. Das neue Werk des Franzosen ist auch auf der Bühne der Alten Feuerwache umstritten. Während die Sprache als „mittelmäßig“, wie gewohnt sexistisch, männlich und politisch aufgeladen sei, könne sie auch metaphorisch gelesen werden. Nämlich als momentanes Lebenskonzept samt Rückzug der (erzwungenen) Männlichkeitsbilder.

Wiebke Porombka (Deutschlandradio Kultur) begeistert sich wie alle für einen deutschsprachigen Roman aus dem Ausland. Das Debüt „Gringo Champ“ der mexikanischen Autorin Aura Xilonen sei die doppelte Emanzipationsgeschichte eines jungen Mannes, dem in Trumpscher Vorzeit die Flucht in die USA gelungen war. Hier sei Kraft durch Worte und Kraft durch Fäuste des Ausnahmeboxers spürbar. Die durchgehend benutzte Straßensprache, der mittlerweile Toleranz gewährt werde, stimmt der Grazer Literaturprofessor Klaus Kastberger nicht zu und spricht ihr wegen der vermischt-falschen Fremdwörter gar das Poetische ab. „Lesen Sie selbst“ wirft Programmleiterin Insa Wilke ein, und Kastberger hat dies mit einem weiteren Buch „Der Trost runder Dinge“ getan.

Der Österreicher Clemens Setz habe darin 20 Erzählungen geschrieben, in denen Dinge, die in der Gegenwart passierten, gleichzeitig auch die Zukunft in sich tragen würden. „Er lotet aus, stellt surreale Gestalten vor“. Hier findet dieses literarische Quartett die meiste Übereinstimmung. Zurückhaltend wird es bei der Präsentation von Festivalkuratorin Insa Wilke, die Ruth Schweikerts von Reflexion geprägtes „Tage wie Hunde“, als „fragmentarisches Krebs-Tagebuch“ empfiehlt. köst