Kultur

Kabarett Vince Ebert erklärt physikalische Gesetze

Wissen in Witz verpackt

Archivartikel

Mannheim.„Die Lehre von der Struktur und den Prozessen unbelebter Materie“: Laut Definition hört sich diese Naturwissenschaft eher sperrig an. Dennoch vermag sie ein Physiker in einen Kabarett-Kosmos mit dem Gesetz zu verwandeln, dass Komik allerorten Leben entwickeln kann – sofern ihr Schöpfer Köpfchen besitzt. Und das trifft für Vince Ebert zu, der im vollen Mannheimer Capitol mit klugen Kabinettstückchen zum Thema Zukunft begeistert – auch wenn er so manche Klischeepointen, beispielsweise über den Odenwald als seine Heimat, einstreut.

Bekannt aus „Wissen vor Acht“

Weil die Zukunft zwar vor uns liegt, aber von hinten heranstürmt, blickt der Wissenschaftler – medienbekannt von der ARD-Infosendung „Wissen vor Acht“ – erst einmal zurück und wirft die Frage auf, ob vor 30 Jahren wohl irgendjemand vermisst hat, keine SMS verschicken oder Kaffee aus der Kapsel brühen zu können. Ach ja, damals gab es noch Telefonkabel, die als Tötungswerkzeug missbraucht wurden. Ein Mord wie an dem Münchner Modezar Rudolph Moshammer „wäre heute technisch gar nicht mehr möglich“.

Ebert hat nicht nur Sinn für schwarze Löcher im fernen All, sondern auch für schwarzen Humor. Pessimisten tröstet er, dass dank der Thermodynamik nie der absolute Nullpunkt erreicht wird: „Egal, wie beschissen es Dir geht, es immer noch Luft nach unten!“ Zu den Stärken des 49-Jährigen gehört, dass er Forschungsfakten in überraschende Schlussfolgerungen gipfeln lässt. Motto: „Wir sind Papst“ – na klar. Schließlich besitzen Menschen zu 99 Prozent die gleiche genetische Ausstattung. Trotzdem werde das Designer-Baby stets Utopie bleiben: „Je komplexer ein System, umso planmäßiger trifft uns der Zufall“. Zum Finale seines Soloprogramms setzt er so etwas wie Pathos ein: Ebert plädiert zur Demut vor den Naturgesetzen, verknüpft mit ewig lebendigem Erfindergeist. Seine Botschaft: „Ein Leben ohne Tod wäre ein Leben ohne Neugier.“