Kultur

Pop Selig-Sänger begeistert im Ludwigshafener Haus

Wohlfühlen mit Plewka

Archivartikel

Zu Beginn dieses Abends, der sich ganz und gar wundervoll entwickeln soll, verabschiedet Jan Plewka im Ludwigshafener Kulturzentrum Das Haus zuerst einmal den Sommer. „Herzlich willkommen im Herbst“, sagt der Hamburger, der als charismatischer Sänger der deutschen Rockband Selig berühmt geworden ist, sich aber künstlerisch längst viel breiter aufgestellt hat. „Between the Bars“ heißt das kuschelige Projekt, bei dem Plewka gemeinsam mit seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Marco Schmedtje an der Gitarre durch die kleinen Clubs des Landes tourt. „Es wird gesungen und getrunken werden an diesen Abenden – gelacht, geweint, geflirtet und vielleicht auch geküsst“, hat der 47-Jährige das Motto beschrieben.

Das alles sprüht nur so vor authentischem Charme, weil Plewka ein grundsympathischer Geschichtenerzähler ist, dem es in Ludwigshafen gelingt, eine ausgelassene Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Zwischen herrlichen Anekdoten über verrückte Bowle-Nächte in Berlin-Mitte oder Anrufe von Til Schweiger gibt er beim lautstark mitgesungenen Simon & Garfunkel-Cover „Feeling Groovy“ den Chorleiter und interpretiert unkaputtbare Ton-Steine-Scherben-Nummern wie „Mein Name ist Mensch“, als wäre er die Reinkarnation von Rio Reiser.

Das Programm gestaltet das Publikum, indem es Zettel aus einem Beutel zieht. Gut 120 Songs stehen zur Auswahl, die Plewka und Schmedtje spielen können – darunter auch alte Perlen von Selig und Zinoba („Wenn Liebe käme“). Mit Reisers Klassiker „Junimond“ biegt ein im besten Sinne herzerwärmendes Konzert auf die Zielgerade ein – es hätte viel länger als zweieinhalb Stunden dauern dürfen. alex