Kultur

Jazz Kipsych-Duo beim „Kultur in the City“-Festival

Wundersam eleganter Groove

Archivartikel

Von einer Coverversion im gewöhnlichen Sinn kann hier nicht die Rede sein, vielmehr von einer – durchaus radikalen – Neuinterpretation: Es scheint, als hätten Sängerin Maren Kips und Pianist Yuriy Sych Alanis Morissettes Pop-Song „A Man“ zunächst Ton für Ton auseinandergenommen, um seine bedeutungstragenden Teile nach eingehender Betrachtung mit großer Fingerfertigkeit neu zusammenzufügen. Dabei entsteht eine um den Melodiekern geschlungene, experimentell veränderte Klangstruktur, die von einer Aura elektrisierender Distanz umgeben ist – was durch die Eigenhall-Eigenschaften des Veranstaltungsortes verstärkt wird. Denn der Auftritt des Kipsych-Duos in der „Kultur in the City“-Reihe von Mannheimer Citykirche Konkordien und livekultur mannheim e.V. findet nicht auf der Kirchwiese, sondern wegen starken Windes im Inneren des gut besuchten Sakralbaus statt.

Georg Bauss & Friends setzen fort

Die Wahl-Mannheimerin Kips und der in Frankfurt ansässige Sych haben, nachdem sie sich beim Jazzstudium an der hiesigen Musikhochschule kennengelernt hatten, 2011 ihr Duo gegründet, mit dem sie (vornehmlich) Pop-Songs aufgreifen und in einen neuen kompositorischen Kontext stellen. Sych spielt ein hochsensibles Klavier, lyrisch und dramatisch, bisweilen wundersam weltentrückt, als würden seine Tonfolgen zwischen zwei gebrochenen Spiegeln reflektiert. Kips lässt ihre Stimme zwischen luzid-warmem Jazzgesang und feinsinniger Klangpoesie changieren, loopt hierfür allenthalben Gesangsspuren, -harmonien und Sounds. Nach der Eröffnung mit George Bensons „Give Me the Night“, dessen Funk die beiden in einen durchscheinend eleganten Flügelschlag-Groove verwandeln, widmen sich Kipsych Joni Mitchells „Black Crow“, Nelly Furtados „Powerless“, George Gershwins „My Man’s Gone Now“ oder der Beatles-Zugabe „Blackbird“ mit gleichermaßen einnehmendem Forscher- und Schöpfergeist.

„Kultur in the City“ wird an diesem Freitag, 19 Uhr, von Georg Bauss & Friends mit „Handmade American Music“ fortgesetzt.

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