Kultur

Kunst Die Ausstellung „(Un)endliche Ressourcen?“ in Karlsruhe handelt von den Grenzen des Wachstums

Zehntausend Gifte und mehr

Archivartikel

Ausgehend von ausgewählten „historischen“ Beispielen konsumkritischer Kunst der letzten 40 Jahre versammelt die Ausstellung „(Un)endliche Ressourcen?“ der Städtischen Galerie Karlsruhe künstlerische Positionen der Gegenwart, die Ressourcenverschwendung, aber auch die daraus resultierenden Folgeprobleme zum Thema haben.

Wirtschaftliche Interessen

Dass die natürlichen Ressourcen der Erde begrenzt sind, weiß heute jedes Kind – aber offenbar nicht jeder Politiker. Oder wollen sie es gar nicht so genau wissen? In den meisten Ländern der Erde jedenfalls ist Wirtschaftswachstum das Goldene Kalb, um das (fast) alle Politiker tanzen. Freilich wissen sie dabei meist eine breite Mehrheit der Bevölkerung hinter sich: uns, die Regierten. Dabei wies eine vom Club of Rome in Auftrag gegebene Studie die Menschheit schon 1972 auf die „Grenzen des Wachstums“ hin.

Ob Künstler die besseren Politiker wären, sei dahingestellt, doch fallen einem spontan kaum Kunstschaffende ein, die nach der Ära der Pop Art noch ungehemmten Konsum glorifizieren und somit Wirtschaftswachstum in Kauf nehmen. Dagegen weiß man von zahlreichen Künstlern, die unsere Konsum- und Wegwerfmentalität kritisch sehen und für eine ökologischere Haltung zu Natur und Umwelt einstehen. Joseph Beuys beispielsweise war so ein Künstler. So zielte Beuys’ Aktion auf dem Rhein bei Düsseldorf 1981 auf die Verschmutzung des Flusses. Ein dingliches Relikt der Aktion ist das Multiple „Rhein Water Polluted“: eine Flasche Wasser von ungesunder, grün-gelblicher Färbung. Die Aufschrift auf dem Etikett spricht unspezifisch von „10.000 poisons“, von Giften also. Gemeint sind die seinerzeit noch ungefiltert in den Strom geleiteten industriellen Abwässer und Schadstoffe.

Gegenwärtig üben sich die Protagonisten der sogenannten Recyclingkunst in Konsumkritik. Agnes Märkel inszeniert den Kampf um „Letzte Ressourcen“ – so der Titel ihrer Arbeit – in hybriden Bildschöpfungen aus fotografischen Motiven und Pastellkreide. Und wenn in Björn Brauns Atelier zwei Zebrafinken Nester aus Plastikpartikeln bauen, darf man dies als frappierendes Sinnbild einer immer künstlicher werdenden natürlichen Umwelt für Mensch und für Tier werten.

Natur gewordene Technik

Kristof Kinteras raumgreifende Bodeninstallation „Postnaturalia“ ließe sich demgegenüber als Natur gewordene Technik charakterisieren. Ausrangierte Festplatten und Prozessoren, Tastaturen und Handys verknüpfen sich wuchernd zu einem künstlichen Biotop aus Elektroschrott, in dem es dank Stromfluss hier und da noch leise summt und leuchtet.

Die vermeintlichen Goldbarren in Alicja Kwades Objektkunstwerk „Kohle“ sind in Wahrheit vergoldete Kohlebriketts. Der Künstlerin polnischer Herkunft, die vor fünf Jahren mit dem Hector-Kunstpreis der Mannheimer Kunsthalle geehrt wurde, geht es um die – manchmal nur vermeintliche – Wertigkeit von Materialien.

Als Recyclingkunst im engeren Sinn ließe sich Nándor Angstenbergers weit ausholende Wandinstallation „Voyager“ aus Wegwerfprodukten bezeichnen. Um schieren Abfall schließlich geht es in Klara Lidéns Serie von Mülleimern. Wobei die aus dem städtischen Raum ins Museum verfrachteten „Readymades“ mit ihren Graffitis und Aufklebern zugleich als eine Art Schwarzes Brett der jeweiligen gerade kursierenden gesellschaftlichen Befindlichkeiten und Parolen dienen. Man lese nach!

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