Kultur

Kunst Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt zeigt den Heidelberger Romantiker Carl Philipp Fohr

Zeichengenie im Knabenalter mit viel Schaffenskraft

Archivartikel

Schon als Kind hatte er nur Zeichnen im Kopf, die Schule interessierte ihn nicht. Heute gilt der im Alter von 22 Jahren im römischen Tiber ertrunkene Künstler als einer der bedeutendsten romantischen Zeichner. Immerhin gelang Carl Philipp Fohr (1795-1818) in knapp acht Schaffensjahren ein beachtliches Werk von 700 Zeichnungen und Aquarellen. Sie sind auf Museen in Darmstadt, Frankfurt, Heidelberg, Berlin, Dresden, Mainz und Privatsammler verteilt.

Nun jährte sich Ende Juni Fohrs 200. Todestag, aber wieder einmal, wie schon zum 200. Geburtstag vor 23 Jahren, gibt es keine gemeinsame Würdigung. Vielmehr ist das Darmstädter Landesmuseum das einzige Haus, das in einer Kabinettsschau mit 30 Werken auf den Künstler aufmerksam macht. In allen anderen Museen: Funkstille, auch in Fohrs Heimatstadt Heidelberg.

Betrüblich. Fohr gilt in Fachkreisen oft als süddeutscher Caspar David Friedrich – nur weniger populär, was sicher daran liegt, dass Fohr vorwiegend gezeichnet hat und diese empfindlichen Blätter nur selten ausgestellt werden. Mit 354 Blättern besitzt Darmstadt knapp die Hälfte des Œuvres. Immer wieder skizzierte Fohr die Landschaften am Neckar, im Odenwald und Schwarzwald. Später widmete er sich auch idealistisch verklärten, fast altmeisterlich anmutenden Porträts seiner Künstlerfreunde, vertiefte sich in die Nibelungensage und begeisterte sich für die italienischen Gebirgslandschaften.

Fohr im Dürer-Fieber

Er war ein genauer Zeichner, der sein Auge an der Natur schulte. So zeichnete er geradezu detailverliebt einen Baum und behielt dennoch den Blick für die ganze Landschaft. Folglich schwanken seine Motive zwischen topographischer Treue und romantischen Stimmungen. Das entwickelte er zur Meisterschaft, aber zuweilen reizten ihn die Lichtverhältnisse am roten Abendhimmel und dessen Reflexe so sehr, dass etwa die Burg Hornberg am Neckar zum bloß grau getuschten Nebenmotiv wurde.

Wie viele Zeitgenossen beschäftigte er sich mit dem romantisch verklärten Rittertum, seine Motive klingen oft an Sagen- und Märchenmotive an. Die farbigen Zeichnungen indes erinnern in ihrem linearen Duktus an Aquarelle von Albrecht Dürer. Dem eiferte die in Rom ansässige Künstlergemeinschaft der Nazarener begeistert nach. Auch Fohr ließ sich von dem Dürer-Fieber anstecken und schloss sich ihnen an, entwickelte jedoch in den letzten anderthalb Lebensjahren ab November 1816 in Rom seinen eigenen Stil.

Noch vor dem Aufbruch nach Rom aber entstand 1814/15 mit Aquarell- und Deckfarben das Bild „Die Wasserfälle am Steinwäldchen unweit Baden“. Der grün-blaue Farbton ergibt einen stimmigen Gesamteindruck rund um die Quelle mit dem Knaben und dem Lämmchen. Fohr kannte offenbar nicht die Sage, dass an diesem Ort eine „Jungfrau von wunderbarer Schönheit“ von einem Jüngling gesichtet wurde – er hätte das sicher aufgegriffen.