Kultur

Lesung Daniel Speck liest aus „Piccola Sicilia“ in Mannheim

Zeitreise ins Tunis der 1940er-Jahre

Er ist ein begnadeter Erzähler und aufmerksamer Zuhörer, ein Sammler von Geschichten, die er in neue Geschichten kleidet, sie ausschmückt und zu einem Teppich voller Dramatik und Spannung, voller Gefühl und Poesie verwebt. „Ich nehme stets eine wahre Geschichte zum Ausgangspunkt meiner Erzählungen“, gesteht Daniel Speck (Bild). In der Mannheimer Thalia-Buchhandlung stellte der mehrfach ausgezeichnete Münchener Drehbuchautor und Schriftsteller („Meine verrückte türkische Hochzeit“, „Maria, ihm schmeckt’s nicht“) seinen neuen Roman vor und entführte die Besucher damit in das Tunis der 1940er Jahre.

Nach Daniel Specks erfolgreichem Debutroman „Bella Germania“ liegt nun „Piccola Sicilia“ auf dem Tisch – ebenfalls eine Familiengeschichte über drei Generationen hinweg, in der ein großes Geheimnis verborgen liegt. Vor allem aber erzählt es eine anrührende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges und der Judenverfolgung.

Respektvolles Zusammenleben

Der junge Moritz verlässt seine Verlobte in Berlin und schließt sich als Kriegsfotograf der deutschen Wehrmacht an, die unter Rommel den Afrikafeldzug bestreitet. Die Offiziere haben in Tunis das Grand Hotel Majestic bezogen, in dem Victor, der Mann am Klavier, für Unterhaltung und seine Adoptivschwester Yasmina als Zimmermädchen für Sauberkeit sorgen. Zusammen mit dem Vater Albert, ein jüdischer Arzt, und dem arabischen Hotel-Concierge Latif sind sie die literarischen Hauptfiguren in Tunis.

Äußerst liebevoll bringt Daniel Speck diese Stadt dem Leser nahe, die, wie ganz Tunesien, 1861 von den Franzosen annektiert wurde, die den nahen Sizilianern und vielen italienischen Juden (im Piccola Sicilia) eine Heimat bot, in der drei Kulturen und Religionen respektvoll miteinander leben, in der Toleranz und Gastfreundschaft zu den wichtigsten Ressourcen gehören. Umso erschütternder sind die Szenen mit den deutschen Eindringlingen, die bis zu ihrer Kapitulation in Tunesien im Mai 1943 Angst und Schrecken verbreiteten.

75 Jahre später geht die Berliner Archäologin Nina in Marsala an der Westküste Siziliens dem Rätsel ihres angeblich verschollenen Großvaters Moritz nach; aber davon und von der Aufdeckung des Familiengeheimnisses offenbarte der Erzähler Daniel Speck bei seiner Lesung natürlich nichts. (Bild: dpa)