Kultur

Buchmesse Von der Türkei bis zum Verlag Antaios - Frankfurter Branchentreff wirkt schon jetzt viel politischer als die Vorgänger

Zentrum der Meinungs- und Publikationsfreiheit

Vor genau einem Jahr wurde zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse ein aus dem Gefängnis geschmuggelter Hilferuf von Asli Erdogan verlesen. Am Donnerstag sitzt die türkische Autorin - verfolgt von der autokratischen Regierung ihres Namensvetters Recep Tayyip Erdogan - nun auf einem Podium der weltweit größten Bücherschau. Und sie stellt fast mit Verwunderung fest, dass die von ihren Mitgefangenen verlachten Kassiber, die sie versteckt weitergeben konnte, weit größere Wirkung entfaltet haben, als sie je dachte.

Der Dachverband der deutschen Buchbranche und die Buchmesse haben sich massiv für die Freilassung von Asli Erdogan (Bild) eingesetzt - mit Petitionen und einer Demo auf der Buchmesse in Istanbul im vergangenen Jahr.

Das Thema Türkei ist der Messe als politischer Dauerbrenner erhalten geblieben. Die Solidarität mit fast 200 inhaftierten Autoren und Journalisten müsse weitergehen, fordert Erdogan, die selbst überrascht war, dass sie vor einigen Wochen trotz ihres laufenden Prozesses zur Entgegennahme eines Preises in Deutschland ihren Reisepass zurückerhalten hat. Für den Börsenverein eine willkommene Chance, dem Thema Meinungs- und Publikationsfreiheit ein großes Forum zu geben. Eine Zeit lang schien dies auf der weltweiten Leitmesse, wo in erster Linie auch Geschäfte gemacht werden, ein bisschen in Vergessenheit geraten zu sein. "Nichts fürchten Despoten mehr als das frei gesprochene Wort", betont jetzt Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Doch in Sachen Meinungsfreiheit geht es in Frankfurt dieses Mal nicht nur um ausländische Autokraten. Der Auftritt des rechts gerichteten Antaios Verlags auf der Messe hat auch innerhalb Deutschlands für Debatten gesorgt. Antaios, der viele Jahre nicht mehr auf der Messe vertreten war, verlegt den umstrittenen Bestseller "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle und etwa auch Werke des deutsch-türkischen früheren Erfolgsschriftstellers und heutigen Rechtspopulisten Akif Pirinçci.

Meinungsfreiheit für alle

Die Messen-Organisatoren verteidigen den Stand für Antaios, der dafür bezahlen muss. "Die Meinungs- und Publikationsfreiheit gilt für jeden. Deshalb akzeptieren wir Verlage und Bücher, solange sie nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen", sagt Skipis.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hält dies für eine falsche Entscheidung. Er beteiligte sich am Mittwoch mit TV-Moderator Michel Friedman auf der Messe an der Aktion "Gib der Vielfalt Deine Stimme" der Frankfurter Anne Frank Bildungsstätte. An deren Stand können Besucher ein Foto von ihrem Mund machen lassen. Die Aktion soll bewusst ein Zeichen setzen gegen Verlage der Neuen Rechten wie Antaios. dpa (Bild: dpa)