Kultur

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Archivartikel

Radio hören – das war früher mal ein Abenteuer. Es bot die Möglichkeit, zuvor Unerhörtes wahrzunehmen. Mit Musik in Kontakt zu kommen, die man noch nicht kannte. Das galt nicht nur für Klassik und Jazz (Spartenbereiche, in denen dies bei öffentlich-rechtlichen Sendern zum Glück auch heute noch möglich ist). Das Erkunden neuer Klänge bereitete vor allem auch dem Popfan prickelnden Hörspaß. Und heute? In Zeiten des Formatradios fühlt man sich, als sei man in eine Fortsetzung des Films „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hineingeraten. Denn die Fortsetzung des Immergleichen wird endlos zelebriert.

Wer regelmäßig Radio hört, ist rasch genervt von den gefühlt fünf Dutzend Titeln, die sich permanent in der Rotation befinden. Sendungen mit ungewöhnlichem Programm sind in den letzten Jahren sukzessive eingestellt worden. Dafür ist Michael Jackson noch quicklebendig, die Pet Shop Boys scheinen gefragter denn je, dazwischen flattern die Byrds aus ihrer Gruft oder T. Rex spuken durch den Äther. Vom riesigen Spektrum populärer Musik werden gerade mal geschätzte fünf Prozent gespielt. Angesichts dessen ist Radiofasten ein Vorsatz, dem man auch nach Ostern gerne treu bleibt. Georg Spindler