Kultur

Kulturpolitik Neue Corona-Regeln von Kunstministerin Theresia Bauer kommen nicht überall gut an

Zwischen Mut und Geduld

Archivartikel

Mannheim.„Einer muss sich trauen“, sagt Thomas Siffling – und er traut sich. Im Juni will der Jazztrompeter seinen Jazzclub „Ella & Louis“ im Mannheimer Rosengarten wieder öffnen, zunächst an vier Freitagen. Damit nutzt er sofort eine neue Regelung, die Theresia Bauer (Grüne), die baden-württembergische Wissenschafts- und Kunstministerin, in ihrem „Masterplan Kultur BW – Kunst trotz Abstand“ ermöglicht.

Danach sind ab 1. Juni trotz der Corona-Pandemie kleine künstlerische Veranstaltungen mit einem Richtwert von unter 100 Personen wieder möglich. Allerdings müssten „die räumlichen Bedingungen das zulassen und die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsvorgaben garantiert werden“, so die Ministerin. Details solle eine interministerielle Arbeitsgruppe „in Kürze“ regeln. Konkret nennt Bauer Liederabende, Lesungen, Kammermusik, Solistenauftritte, Kleinkunst, Tanz- und Theateraufführungen. Soweit dafür Umbauten nötig sind, hat das Land zwei Millionen Euro aus dem Innovationsfonds Kunst bereitgestellt.

Damit hätten Kulturschaffende „nun eine Perspektive“, freut sich die Mannheimer Landtagsabgeordnete Elke Zimmer (Grüne). So könne „die kulturelle Arbeit im Land trotz Krise hoffentlich wieder Fahrt aufnehmen!“, so Zimmer, die diese Regelung auch auf ihre Videoschalte mit mit Mannheimer Kulturschaffenden und dem Ministerium zurückführt.

Höchstens 60 Zuhörer

„Ich finde es ein gutes Zeichen an die Szene, dass es wieder losgehen kann“, findet Siffling: „Viele Musiker sind froh, wenn sie wieder auftreten können – die sind existenziell bedroht.“ In seinem Club, der sonst über 140 Leute passt, kann er mit Abstandsregel 50 bis 60 Zuhörer lassen. Er plant pro Abend daher zwei Konzerte hintereinander, „dazwischen wird desinfiziert“. Das sei „besser als nichts und alles machbar“.

Dagegen findet Boris Ben Siegel die Regelungen „sehr schwer realisierbar“. Sein „Theater oliv“ in einem Gewölbekeller in der Mannheimer Neckarstadt ist für 50 Personen zugelassen – normalerweise. „Mit Abstandsregel passen vielleicht acht rein, das bringt nichts“, klagt er. Von den ganzen Auflagen fühlt er sich „ziemlich erschlagen“ und ist „sehr skeptisch“. Lieber will er jetzt im Sommer versuchen, Freiluft-Auftritte zu organisieren – und zugleich Mittel für eventuelle Umbaumaßnahmen beantrangen: „Das muss schnell gehen, bis 25. Mai, habe ich gelesen“, so der Schauspieler.

Skeptisch reagiert ebenso Wolfgang Schmitter von der Mannheimer Kleinkunstbühne „Klapsmühl“. 150 Zuschauer fasst sie, „nur müssen wir mal ausmessen, wie das mit Abstand geht, das wird sehr schwierig“, fürchtet er. Schließlich müsse sich ein Auftritt für den Künstler ja auch rechnen. Vielleicht, so hofft er, könne man Ende August wieder loslegen, aber sicher nicht am 1. Juni.

Auch das Mannheimer Musik-Kabarett „Schatzkistl“ mit seinen 99 Sitzplätzen wird nicht am 1. Juni wieder seine Türen öffnen. „Weit gefehlt“, verweist der Leiter Peter Baltruschat auf die räumlichen Gegebenheiten, Hygiene- und Abstandsvorgaben. „Ich denke, dass es sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch aus Sorgfaltspflicht im Moment noch keinen Sinn macht, den Spielbetrieb unter den umfangreichen und notwendigen Vorgaben wieder aufzunehmen“, meint Baltruschat: „Wir müssen uns noch etwas in Geduld üben!“

Auch das Nationaltheater Mannheim wird trotz der Freigabe von Ministerin Bauer dabei bleiben, dass sein Spielbetrieb eingestellt ist. Allenfalls ein modifizierter Probebetriebs sei vor der Sommerpause noch denkbar. Sonst gebe es „mit der Neuplanung einer coronagerechten Spielzeit 2020/2021“ bis zum 1. September genug zu tun, so der Geschäftsführende Intendant Marc Stefan Sickel.

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