Kultur

Kunst „Good Vibrations“ zeigt fünf kinetische Positionen bei Fath in Mannheim

Zwischen Spuk und Sternenhimmel

Archivartikel

Schon im Treppenhaus wird man von Scheppern und Brummen empfangen, und wer vermutet, das käme von ganz oben, von der Galerie Sebastian Fath Contemporary, sieht sich bestätigt, aber es ist kein Handwerker zugange. Oben angekommen, steht man vor einer Vitrine, in der ein rundes Körbchen steht – und das hüpft klackernd und scheppernd vor sich hin, ganz von allein.

Das putzige Objekt des Künstlerduos Pfeifer + Kreutzer ist nicht die einzige Überraschung, die in der Schau „Good Vibrations“ wartet, und wer schon immer eine Schwäche für Kinetische Kunst hatte, wird hier eine der erfrischendsten und verblüffendsten Erfahrungen machen, die man mit Kunst überhaupt haben kann. Aber treten Sie bloß nicht auf die große Kokos-Fußmatte, die fängt nämlich urplötzlich an zu rollen, wenn Sie drauf stehen. Unter dem „Surfboard“ von Robert Barta ist ein ganz gemeines Kugellager.

Immerhin werden andere Werke zwar mithilfe von Sensoren in Gang gesetzt, aber ohne dass sie mit ihnen davongehen, was dennoch eine gewisse ungefährliche Motorik auch von Ihnen verlangt. Mitten im Raum etwa die Arbeit „Mini Mobile“ von Alicja Kwade, eine ähnliche Installation wie das große Werk mit Uhr und rotierendem Stein in der Kunsthalle. Anstelle der Uhr baumelt ein Handy, auf dem sich in Echtzeit der Sternenhimmel mit Ihnen dreht, wenn Sie bei der rotierenden Anlage mitgehen. Es ist nicht der einzige kosmische Bezug: An der Wand saust von Zeit zu Zeit ein quadratischer Flokati um sich selbst: Pfeifer + Kreutzer nannten das „M 83“ – es ist das witzige Porträt der Spiralgalaxie Messier 83 im Sternbild Hydra.

Das Paar hat noch eine ganz andere Überraschung, da hängt oben unter der Decke ein fellbesetzter Kasten – in dem spukt es! Ein Poltergeist scheint rumpelnd nach draußen zu drängen … Gott sei Dank schafft er es nicht. Dafür lehnt an der Wand gegenüber eine ausgehängte Tür, an der sich der Griff bewegt … (Robert Bartas „Housewarming“).

Gregorianische Choräle für Aliens?

Etwas latent Unheimliches haben viele Objekte, da ist auch die sich ständig wie ein Insekt bewegende Kleinplastik „Contenance“ von Klassiker Via Lewandowsky. Von ihm stammt auch ein altes Radio mit einem kruzifixbesetzten Rosenkranz – aus dem Ding kommen seltsame, manchmal an gregorianische Choräle erinnernde Geräusche. Womöglich ist man Zeuge, wie Aliens im All christianisiert werden? Derweil sägt eine Installation von Jan Bernstein subtil eine Wand auf oder schleift eine Steinplatte ab, gaaanz langsam.

Wer darüber hinaus noch einen Knüller sucht, wird fündig. Ganz unkinetisch war der Japaner Ken’ichiro Taniguchi in der Region am Werk, zeichnete die Zwischenräume von Straßenpflastern etwa vor der Christuskirche und übertrug die Zeichnung auf eine Kunststoffplatte, die dann zugeschnitten wurde. Aus Luft wird so Masse und mittels Scharnieren sogar ein variables dreidimensionales Gebilde. Und so hängt, inspiriert durch ein Luftbild, ganz Mannheim mitsamt Ludwigshafen in schönstem Gelb an der Wand.

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