Ladenburg

Neckar-Bergstraße Neue Serie „Heimat im Museum“ / Lobdengau-Museum in Ladenburg ist auf ehrenamtliche Helfer angewiesen

„Überzeugungstäter“ gesucht

Archivartikel

Alarmierende Nachrichten enthält der erste Museumsbrief 2018 der Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg. Demnach schrumpft die Schar der „Überzeugungstäter“, die kleine Museen am Leben erhalten, „je höher der Altersdurchschnitt in den Museums-, Geschichts- und Heimatvereinen steigt, und er tut dies nach wie vor kontinuierlich“. Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement aber sei es unmöglich, viele Museen sinnvoll zu betreiben. In unserer Serie fragen wir nun: Wie ist es um die Museen im Verbreitungsgebiet der Ausgabe Neckar-Bergstraße des „MM“ bestellt? Trifft die Diagnose der Landesstelle auf sie zu? Der erste Teil befasst sich mit dem Lobdengau-Museum in Ladenburg.

Diese städtische Einrichtung verfügt im Verbreitungsgebiet über zwei Alleinstellungsmerkmale. Zum einen wird sie von einem hauptamtlichen Leiter, Andreas Hensen, betreut, zum zweiten hat ihre römische Abteilung überregionalen, ja sogar nationalen Rang.

Kein Wunder, dass Andreas Hensen zusammenzuckt, wenn das Wort „Heimatmuseum“ fällt: „Diese Kategorie haben wir schon lange verlassen. Ladenburg spielt nämlich in der Archäologie eine besondere Rolle, weil es eine wichtige antike Stadt war und durch die intensive Forschung eine ungewöhnlich qualitätvolle Sammlung hat.“ Er räumt allerdings ein, dass die Bestände des 20. Jahrhunderts derzeit dem Niveau eines Heimatmuseums entsprechen würden.

Wie andere Museen in der Region ist auch das Lobdengau-Museum auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Sie rekrutieren sich aus Mitgliedern des Ladenburger Heimatbunds, machen Kassendienst, Führungen und gewährleisten die Aufsicht in den verwinkelten Räumen des Bischofshofs. „Der Betrieb basiert auf dem Ehrenamt“, meint denn auch Hensen.

Doch hier gibt es Probleme. Edgar Heuss, zuständig für die Einteilung der Ehrenamtlichen zum Museumsdienst: „Ich habe lediglich 70 Kandidaten für Kassendienst und Aufsicht, benötige jeden Monat aber 36, um die Öffnungszeiten gewährleisten zu können.“ Carola Schuhmann fügt an: „Wenn wir zehn Leute mehr hätten, wäre uns schon viel geholfen.“ Die Vorsitzende des Heimatbunds ist überzeugt, dass es ein großes Potenzial an möglichen Helfern unter den vielen Rentnern gibt. Sie rechnet vor, dass von den 530 Heimatbund-Mitgliedern etwa ein Viertel aktiv ist, unter anderem als Stadtführer, im Museum und beim Altstadtfest. Was aber oft fehle, sei ein dauerhaftes Engagement.

Ungeliebte Bindungen

Edgar Heuss nennt ein Beispiel: „Ich hätte einen Interessenten, der aber in keinen Verein eintreten will. Dann kann ich ihn aber aus versicherungstechnischen Gründen nicht einsetzen.“ Viele Leute wollten sich nicht binden. „Das Ehrenamt wird überstrapaziert“, fügt Heuss an und erläutert seine These: „Großveranstaltungen wie der Triathlon mit etwa 450 Helfern binden viel ehrenamtliches Engagement. Und vielleicht wählen die Leute eher aufregende Veranstaltungen wie Drachenboot-rennen.“

Was geschieht, wenn der Heimatbund den Museumsdienst nicht mehr aufrechterhalten kann? „Ich weiß nicht, was dann der Gemeinderat sagt“, antwortet Carola Schuhmann, selbst CDU-Stadträtin. Edgar Heuss vermutet, dass die Einrichtung dann nur einen Tag in der Woche geöffnet werden könnte.

Fehlen Anreize? Sollte man Belohnungen, zum Beispiel Einladungen zum Essen, nach einem Punktesystem verteilen, das sich an der Zahl der Einsätze orientiert? Edgar Heuss hält das für „psychologisch gut“. Carola Schuhmann eher nicht: „Sobald eine unterschiedliche Behandlung praktiziert wird, könnte das für böses Blut sorgen. Zudem glaube ich nicht, dass das Neue anzieht.“ Sie verweist darauf, dass es bereits ein Helferessen gibt und vertritt die Auffassung, dass die Ehrenamtlichen mehr von der Stadt gewürdigt werden sollten.

Wird es das momentane System mit Ehrenamtlichen noch in zehn oder 15 Jahren geben? „Ich glaube ja“, meint Carola Schuhmann. „Ich habe die Hoffnung, dass sich immer wieder Leute finden, die das machen. Vielleicht hilft uns der Bevölkerungszuwachs durch die Neubaugebiete dabei.“ Edgar Heuss befürchtet dagegen, dass in dieser Zeit die Zahl der Ehrenamtlichen zurückgehen wird. Dann müssten wohl die Öffnungszeiten reduziert werden. Andreas Hensen: „Es wird vermutlich anders laufen, aber ich weiß nicht wie.“

Resignieren will Carola Schuhmann nicht, sondern für den ehrenamtlichen Einsatz intensiver die Werbetrommel rühren. Und: „Jeder Aktive sollte in seinem Bekanntenkreis dafür werben. Denn vor allem durch persönliche Ansprache gewinnt man Helfer.“

Info: Fotostrecke: morgenweb.de/ladenburg

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