Ladenburg

Ladenburg Neue Pflanzen für den Römergarten / Stiftung will die Anlage noch durch weitere Pflanzungen ergänzen

Ab Juni wird es hier noch bunter

Archivartikel

An der Treppe im ersten Stock hängt noch ein Metallschild, auf dem in schnörkeligen Buchstaben „Zur Hochzeit“ steht – auf den ersten Blick hätte man das im Lobdengau-Museum so nicht vermutet. „Doch, hier wird geheiratet“, nickt Museumsleiter Andreas Hensen.

Vor allem im großen Saal im Keller könne man sich trauen lassen, und dieses Angebot sei auch in der schlimmsten Phase der Corona-Krise gerne angenommen worden, und das, obwohl verschärfte Bedingungen gegolten hätten: „Zum Teil durften nur das Brautpaar und eine Standesbeamtin anwesend sein.“

Pesto aus Weinraute

Nicht alle hätten sich davon abschrecken lassen, und Hensen ist froh darüber: „So war hier wenigstens mal etwas los.“ Immerhin, nebenher wurde auch schon für den Römergarten vorgeplant: Werner Molitor zog Kräuter und bereitete sie zum Einpflanzen vor, und am Mittwoch bringt er Borretsch, Frauenmantel und anderes vorbei. Mitarbeiter der Gartenbaufirma Erda kümmerten sich um die Anpflanzung, und auch Andreas Huben gehört zum Kreis der Helfer. Nun steht Molitor vor den Beeten, die links von der Tür nach draußen liegen: Hier wachsen Gemüse und Kräuter, die auch schon die Römer kannten. Thymian und Rosmarin strecken ihre Zweige in die Sonne, und mitten im Beet wächst ein kräftiger Mangold mit roten Stängeln. Weiter hinten gibt es Weinrauten, deren Blätter einen säuerlichen Geruch verströmen. „Die Pflanze war bei den Römern sehr beliebt, sie haben daraus Pesto gemacht“, erklärt Molitor.

Das dritte Beet ist noch frei: Ein Fachmann wird hier demnächst Getreide aussäen. „Die Römer hatten Emmer und Einkorn“, so der Gärtner, „außerdem werden wir Hafer und Linsen setzen.“ Letztere können nämlich alleine nicht stehen.

An der Stirnseite winden sich zwei Weinreben dicht über der Erde; die Gärtner widerstehen dem Impuls, sie hochzubinden, wie das heute üblich ist: „Die alten Römer hatten Gestelle, an denen die Pflanzen gewachsen sind.“ Diese Holzkonstruktionen waren nicht höher als 20 Zentimeter, was bedeutete, dass die Lese wohl mit Rücken- und Nackenschmerzen einhergegangen sein muss.

Doch steckt ein tieferer Sinn hinter dem ungewöhnlichen System: Wenn der Wein in vulkanischen Gebieten angebaut wird, strahlt die Lava im Boden nämlich lange die Wärme ab, was sich auf die Qualität der Trauben auswirkt. Die rechte Gartenhälfte ist den Zierpflanzen gewidmet, denn auch darauf legte man in der Antike Wert. Hier Im Ziergarstehen die Rittersporne, die bereits verblüht sind. Doch die rosafarbenen Rosen zeigen eine Menge Blüten. Hinter ihnen hätte ein Römer vermutlich ein Wasserbecken angelegt, sagt Molitor: „Denn Wasser symbolisierte Wohlstand.“ Um das zumindest farblich darzustellen, sind an dieser Stelle Lavendelbüsche gepflanzt, die die Römerstele eindrucksvoll einrahmen. Sie sei vor über 60 Jahren in der Kirchenstraße gefunden worden, erklärt Hensen über das historische Fragment, das auf Anregung Molitors nun einen würdigen Platz gefunden hat.

Obstgehölze geplant

Im Juni wird der Römergarten noch ein bisschen grüner. Dann dürfen nämlich auch die nicht winterharten Gewächse wieder ins Freie, und die Besucher können sich auf Lorbeer- und Olivenbäumchen freuen. Die Organisatoren von der Stiftung Lobdengau-Museum haben noch weitere Pläne für den Garten, bemerkt Molitor: „Es wäre schön, wenn wir für den hinteren Teil des Gartens noch Obstgehölze bekommen.“ Wann sie gekauft und gepflanzt werden können, steht noch nicht fest: Es ist abhängig von der finanziellen Situation in der Stiftung. stk

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