Ladenburg

Ladenburg Ein Bauingenieur und ein Künstler eröffnen neue Veranstaltungsstätte / Bühne gehört Amateuren und Halbprofis

Am Freitag startet der Versuchsballon Kulturwerkstatt

Archivartikel

Auf den ersten Blick wirkt der Raum hinter dem großen Rolltor im Ladenburger Stadtteil West wie das gewöhnliche Trockenlager einer Baufirma. Doch rasch erkennt der Besucher, dass die Mauersteine eine niedrige Bühne mit Lichtband tragen. Im ausgestellten Kaminofen brennt Feuer. Auf Bistrotischen stehen Windlichter bereit. Und der große Planungstisch aus Massivholz im Obergeschoss lädt zu lockeren Gesprächsrunden ein.

Kurzum: Kurz vor der Premiere herrscht die gewünschte Atmosphäre im neuen Betriebsgebäude von Arno Folger. Denn wo sonst Material für schlüsselfertiges Bauen lagert und Pläne entstehen, soll künftig ohne großes Drumherum mehrmals im Jahr nach getaner Arbeit zum Wochenausklang das Vergnügen folgen.

Rock, Chanson und Zauberkunst

„Kulturwerkstatt Am Sägewerk“ heißt der erste Versuchsballon, den der Ingenieur zusammen mit dem Künstler Joachim Junghans am Freitag, 31. Januar, um 19.30 Uhr, steigen lässt: Die Neckarhäuser Coverrockband The Greyhounds tritt auf. Diese Formation interpretiert neben weiteren Oldies nicht nur Songs von Pink Floyd, sondern erhellt unter dem Motto „Shine On You Crazy Diamond“ auch Hintergründe dazu.

„Ich habe Spaß an kultureller Arbeit und organisiere gerne“, sagt Planer Folger. „Wir wollen das kulturelle Leben noch mehr bereichern, ohne dabei mit örtlichen Einrichtungen in Konkurrenz zu treten, und dafür nutze ich meine Kontakte zu nebenberuflich tätigen Künstlern gerne“, erklärt Programmgestalter Junghans. Der freiberufliche Gitarrenlehrer, Sänger und Musiker betont, dass diese Bühne ausschließlich Amateuren und Semiprofis gehöre. Die Kulturwerkstatt-Macher kennen sich gut: Beide engagierten sich früher ehrenamtlich im evangelischen Kirchengemeinderat Ladenburgs. Jetzt haben sie ein kleines Jahresprogramm mit Rock, Chanson, Bluegrass, Zauberkunst und Workshop auf die Beine gestellt, das sich sehen und hören lassen kann.

Für Folger erfüllt sich ein alter Traum: „Ich wollte früher immer ein Kulturcafé aufmachen.“ Jeder habe ihm jedoch davon abgeraten. Nach dem Umzug ins neue Betriebsgebäude im Gewerbegebiet biete sich jetzt die einmalige Chance. Mit einem bewusst niedrigen Budget halte sich das Risiko in Grenzen. Neben Freunden wirkt auch die Familie mit: Folgers Töchter Johanna und Pauline helfen am Freitag beim Bedienen. Bruder Bodo Folger, von Beruf Autor und Regisseur, bringt seine Filmkamera zum Fest mit.

Der Veranstaltungsort in Werkhalle und Planungsbüro erscheint Folger und Junghans wie geschaffen für Kultur: Bedeute doch Kunst ebenso Arbeit mit Hand und Kopf wie Tätigkeiten rund ums Bauen.

Entspannt ins Wochenende

Apropos Köpfchen: Das Bühnenprogramm wird live auf den Großbildschirm des Büros mit Sitzplätzen im Obergeschoss übertragen, damit auch Gäste, die lieber sitzen, Spaß haben können. Solche sozialen Aspekte sind beiden ebenso wichtig: „Gemeinwohl geht uns über Gewinn“, sagt Junghans. „Es ist ein Versuch, der sich kostenneutral entwickeln und langfristig etablieren soll“, erklärt Junghans das Konzept. Der laut inoffiziellem Motto „relaxte Start ins Wochenende“ sieht so aus: Die Auftritte dauern 60 bis 90 Minuten. Danach erklingt Musik aus der Konserve. Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen sich die Künstler. Getränke kosten ein, zwei und drei Euro. Neben Alkoholfreiem soll es Bier, Wein und Whisky geben. Für einen Imbiss sorgt Bernd Jaschutschik aus der Nachbarschaft. Mit jeweils 40 bis 100 Besuchern rechnen die Gastgeber in der Kulturwerkstatt Am Sägewerk.

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