Ladenburg

Ladenburg Neue Adressen in den entstehenden Quartieren vor Jahren vom Gemeinderat vergeben / Meist Bezug auf alte Gewannbezeichnungen

„Am Galgbrunnen“ hat nichts mit Henker zu tun

Archivartikel

Anhand der Bebauungspläne und Entwürfe lassen sich die Straßennamen in den drei Neubauquartieren Ladenburgs nachvollziehen. Überlieferte Flurnamen standen dafür Pate im Quartier Nordstadt-Kurzgewann. So heißt der zentrale Erschließungsweg Langgewannstraße. Von ihr gehen folgende drei kleineren Seitenwege in östlicher Richtung zum grünen Boulevard ab: Stadtäcker, Bäumelgewann und Lange Ruten.

Oberhalb der zentralen Grünzone, die in Nord-Süd-Richtung durch das Viertel verläuft, befindet sich der Neugraben, der den neuen Verkehrskreisel in der bestehenden Weinheimer Straße im Osten direkt mit der ebenso bereits vorhandenen Kurzgewannstraße im Westen des Viertels verbindet. Vom Neugraben gehen in nördlicher Richtung die Sackgassen Hansenhain und Gänsäcker ab.

Auf der anderen Seite des Grünstreifens knüpft der Weg Alte Leimengrube an sein Gegenüber, das Bäumelgewann, an. Südlich davon, im Bereich des Pumpwerks und der früheren Kleingartenartenanlage, befindet sich der Zieglerwasen. Wie der „MM“ bereits 2015 berichtete, lautet die neue Wohn- und Geschäftsadresse im Baugebiet „Hockenwiese“ entlang der Benzstraße „Am Galgbrunnen“. Das ist der „Hauptweg“, der zum Parkplatz führt.

Der Name „Am Galgbrunnen“ mag zunächst ein wenig gruselig nach einstiger Todesstrafe klingen. Doch geht die Bezeichnung zumindest nicht direkt auf ein Henkersinstrument, sondern auf die früher gängige Form eines Ziehbrunnens zurück. Dabei wurde ein Zugseil für den Wassereimer über eine am Galgen befestigte Umlenkrolle gezogen. Ein solcher Brunnen befand sich im Stadtteil West im ganz nahe gelegenen Bereich der schon bestehenden Brunnenstraße. Tatsächlich gibt es jedoch auch ein Feldgewann namens Galgenwasen als Hinweis auf eine historische Hinrichtungsstätte nicht weit entfernt in nordwestlicher Richtung.

Die Hockenwiese selbst ist nach einst üblichen Vorrichtungen („Hocken“) benannt, die auf eher feuchtem Grund zum Trocknen von Heu dienten. Wer künftig gegenüber der „Hockenwiese“ im Neubaugebiet „Im Matzgarten“ parallel zur Benzstraße „An der Leimgrube“ wohnt, sollte wissen, dass im Bereich der heutigen Industriefirmen an der Wallstadter Straße eine bedeutende Fabrik für Haut- und Hasenleime sowie technische Gelatine angesiedelt war, und zwar von 1892 bis 1961. Sie ist aber nicht zu verwechseln mit der früheren Leimhütte am Schriesheimer Fußweg.

Auch die künftige „Karl-Hemmer-Straße“ östlich der Benzstraße nimmt Bezug auf die örtliche Wirtschaftsgeschichte: Karl Hemmer war Mitinhaber der Gebrüder Hemmer GmbH, die Maschinen für die Papierproduktion herstellte. Die so genannte Hemmer-Halle aus Backstein an der Eisenbahnunterführung Wallstadter Straße ist heute Teil des ABB-Geländes.

Dagegen bezieht sich der Straßenname „Im Matzgarten“ wieder auf ein früheres Feldgewann in diesem Bereich. Die neuen Straßennamen hat der Gemeinderat bereits vor Jahren ausgewählt. Der Technische Ausschuss war eigentlich überein gekommen, ausschließlich überlieferte Flurnamen als Straßenbezeichnungen zu verwenden. Solche standen jedoch nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung. pj

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