Ladenburg

Ladenburg „Gelebte Gewerkschaft“ bei Maikundgebung mit Familienfest im Glashaus am Waldpark / Redner warnen vor Nationalisten

Appell für ein geeintes Europa

Archivartikel

Tag der Arbeit am 1. Mai: Das heißt in Ladenburg neben Kundgebung auch Feiern. So wehen im Reinhold-Schulz Waldpark nicht nur Fahnen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), sondern es duftet auch nach gedünsteten Zwiebeln für die Steaks zum Familienfest des Fördervereins „Solidarität“. Am Bräter steht Mitglied Berthold Janke (Trösel) und sagt: „Ich bewirte die arbeitenden Besucher gerne, damit sie sich erholen können.“ Frau und Töchter hat er mitgebracht.

„Für mich ist der 1. Mai schon immer Ladenburg“, erklärt Kathrin Kern. Sie findet den „Rahmen schön“. Außerdem zeigt sich die Vertreterin von Schwerbehinderten in ihrem früheren Betrieb überzeugt davon, dass man sich „engagieren und der Gesellschaft etwas zurückgeben“ müsse. „Gewerkschaft leben“, also. Das steht auf dem T-Shirt von Brigitte Prudky. Für das 64-jährige Ladenburger Gründungsmitglied der Regionalgruppe der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) hat dieser Termin „schon immer Tradition“.

„Verpflichtung und Spaß“

Prudky war bis zur Rente Betriebsrätin bei Reckit-Benckiser. Der Konzern, bei dem auch Janke und Kern in Weinheim („Kukident“) beschäftigt waren, hatte den Standort Ladenburg 2016 geschlossen. Davon war auch Kenan Güngör betroffen, der 2019 „seit genau 40 Jahren in Ladenburg“ lebt und 1999 dem IGBCE beitrat. Der „Solidarität“-Aktive grillt Fleisch. „Für mich ist das Verpflichtung und Spaß zugleich“, so Güngör. Ähnlich sieht es Bäckereifachverkäuferin Barbara Bollmann am Kuchenstand: „Spaß, Freunde und der Zusammenhalt motivieren mich zu helfen.“

Zu den Besuchern zählt Helmut Kinzig. Der frühere ehrenamtliche Hausmeister der St. Johannes-Kirche vertritt sozusagen die katholischen Arbeitnehmer: „Ich war bei der Total und beim Benz, da gehörte sich das, bei der Gewerkschaft zu sein.“ Doch habe er „nur Maikundgebungen in Ladenburg“ besucht. Das freut Bernd Schuhmacher: Als IGBCE-Chef seit Gründung der Ortsgruppe vor 20 Jahren würde er wenigstens sein DGB-Amt gerne in jüngere Hände legen. Doch mangels Bewerbern steigt er erneut als Auftaktredner in den Ring. „Das ist gelebte Gewerkschaft“, lobt er zunächst sein Helferteam unter dem Beifall von rund 60 Zuhörern. „Das ist leider weniger als erwünscht“, bedauert Schumacher noch. Dann legt er los: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass die Europäische Union nicht weiter aus dem Ruder läuft.“ Die europäische Idee bedürfe bei den Wahlen einer „demokratischen Blutspende“, um weiterzuleben. Das DGB-Motto „Europa, jetzt aber richtig“ sei genau die Losung, „um endlich was für die Menschen zu tun“. Als Hauptredner sagt der regionale DGB-Geschäftsführer Lars Treusch: „Die EU muss Vorbild für faire Globalisierung werden.“

In ihrem Grußwort gratuliert Vizebürgermeisterin Gudrun Ruster im Namen der Stadt Ladenburg dem DGB-Ortsverband dazu, dass er die Tradition der Kundgebung in Ladenburg hochhalte. Alle Redner warnen vor Nationalisten. Für Musik sorgt das „Duo mit Pfiff“. Gelungener Gag Schuhmachers: Die Musiker Stefan (Pfalz) und Thomas (Saarland) seien doch ein „Paradebeispiel für Völkerverständigung“.