Ladenburg

Ladenburg „Kinderstadt“ begeistert im evangelischen Gemeindehaus mehr als 100 Teilnehmer

Arbeiten und einkaufen fast wie im richtigen Leben

Archivartikel

Morgens in einer langen Warteschlange stehen und in den Herbstferien arbeiten gehen? Dennoch wirkt Joris Wilk richtig begeistert von der „Kinderstadt“ im Ladenburger Martin-Luther-Haus. „Mir gefällt es gut“, sagt der Achtjährige, der mit seinem jüngeren Bruder Mattis teilnimmt, und reckt fürs Pressefoto den Daumen. „Beide fanden es ganz toll: Sie kamen nach Hause und sprudelten über vor Wissensfülle“, freut sich auch Bettina Wilke, als sie ihre Söhne an einem weiteren Morgen in die Obhut von rund 40 Helfern der evangelischen Kirchengemeinden Dossenheim und Ladenburg übergibt.

Wie jeden Morgen wartet Briefträgerin „Maike“ alias Angelika Berens mit einer Botschaft aus der Bibel auf. Es geht beispielsweise um Themen wie füreinander da sein und wie sich durch Glauben Kraft finden lässt. Doch zunächst heißt es Startgeld und Ausweis abholen: Im „Einwohnermeldeamt“ vor dem Saal erhalten mehr als 100 angemeldete Mädchen und Jungen jeweils drei Taler und ihren Pass mit Foto. „Ich bin dann erstmal ins Sportstudio gegangen und habe Gewichtheben gemacht, aber danach war ich pleite“, berichtet Joris fröhlich vom Vortag. „Mit meinem Freund habe ich in der Holzwerkstatt neun Taler verdient und davon sind wir später noch ins Kino gegangen“, erzählt der Grundschüler weiter.

Startgeld aufgebessert

Melina Röck bessert ihr Startgeld dagegen mit Kellnern auf. Pro fünf Minuten erhält sie einen Taler. Das hat ihr am Vortag schon „viel Spaß gemacht“, sagt die Zwölfjährige im „Restaurant“, wo sie Tische eindeckt und Gäste bedient. In der Küche ist auch schon Betrieb.

So verwandelt sich das gesamte Gemeindehaus an vier Tagen in eine „Kinderstadt“, wo man fast wie in echt ebenso Dinge herstellen wie kaufen kann. „Ich kann gut rechnen“, erklärt die zehnjährige Helena, warum sie an der „Supermarkt“-Kasse sitzt. In den Regalen stehen von Kindern selbsthergestellte Waren wie Blumengestecke oder Schmuck. „Die meisten kaufen nur eine Sache“, berichtet Mina (9). „Manche Kinder sind richtig geizig und geben gar nichts aus“, sagt Thomas Pilz schmunzelnd. Auch ans Essen und Trinken muss der Diakon seine „Mitbürgerinnen und Mitbürger“ erinnern, weil es so viel zu erleben gibt. Mit der Resonanz ist er überaus zufrieden: „Eine völlig ausgebuchte Veranstaltung: Das habe ich auch noch nicht gehabt“, freut sich Pilz mit seiner Dossenheimer Kollegin Bärbel Fichtner.

Deren Helfer betreuen die „Bücherei“, wo auch die Kunst der Kalligrafie gelehrt wird. Albert Klar-Bauder stiftete Holzwerkzeuge. Jugendliche, vor allem aktuelle und ehemalige Konfirmanden, und Erwachsene aus beiden Gemeinden betreuen die verschiedenen Stationen. Es gibt auch Dienstleistungen: So bietet Paul Zips im „Krankenhaus“ Erste-Hilfe-Kurse an. „Ich bin bei der Jugendfeuerwehr“, erklärt der 14-Jährige. Marie Mittermeier aus Neckarhausen erklärt in der „Wellness-Oase“, wie man Creme und Badesalz herstellt. Außerdem bietet sie Frisuren, Makeup sowie Schminken an. „Ich arbeite sehr gerne mit Kindern“, sagt die 16-jährige Gymnasiastin.