Ladenburg

Ladenburg „Omnibus“-Diskussion im „Leicht & Selig“ über politische Teilhabe in der Stadt

„Auf Betroffene zugehen“

Archivartikel

Zum Abschluss seines viertägigen Aufenthalts (wir berichteten) hielt der „Omnibus für direkte Demokratie“ am Ladenburger Kunstraum „Leicht & Selig“. Draußen kamen letzte Unterschriften für die geregelte Volksabstimmung auf Bundesebene und den Bienenschutz im Land zusammen. Der gastgebende Künstler Phil Leicht läutete mit einer Handglocke die letzte Runde ein. Und rund 20 Besucher, darunter Bürgermeister Stefan Schmutz, begaben sich nach drinnen. Dort hieß es „Ladenburg, wir müssen reden!“.

Friedemann Vogel moderiert

Es ging darum, Möglichkeiten politischer Teilhabe in der Stadt auszuloten: „Darüber wollen wir in einen Dialog treten“, sagte Friedemann Vogel. Der in Ladenburg wohnende Professor beschäftigt sich wissenschaftlich mit politischer Kommunikation und schaffte als Moderator Diskussionsgrundlagen, indem er beispielsweise fragte: „Wie schaffen wir offenere politische Kommunikationsräume?“. Neben ihm hatte Leicht die Realschullehrerin Sabine Weil als Sprecherin des ehrenamtlichen Arbeitskreises für Flüchtlinge und Hilfsbedürftige eingeladen, die sich nach einem Dachbrand um die betroffene Familie kümmert. Eine ihrer Leitfragen lautete: „Wie merken wir, wem es nicht so gut geht in unserer Stadt?“

Weil benannte aus ihrer Sicht „große Themen in Ladenburg“. An erster Stelle: Wohnungsnot für junge Familien. Für Weil alarmierend: Auch die Baugenossenschaft könne sich im Neubaugebiet Nordstadt nichts leisten. Sie fragte: „Wo gibt es ein Forum für Menschen, die nicht so gut reden können und wie können wir ihnen eine Stimme geben?“ Eine Frau stimmte Weil zu: „Hartz-IV kann unheimlich entwürdigend sein.“ Christian Selig fand: „Man müsste auf Betroffene zugehen.“ Phil Leicht forderte „mehr Verantwortungsgefühl durch Schnittstellen wie Straßenfeste, wo Mitmenschlichkeit hergestellt werden kann“.

Mit „Nachbarschaftshilfe Rat geben und Leute zusammenbringen“, schwebte Tim Ahls vor. Dass regelmäßige Stadtteilkonferenzen eine Lösung sein könnten, meinte Vogel. „Dafür bietet diese bildschöne Stadt gute Grundlagen“, fand „Omnibus“-Fahrer Werner Küppers. „Freiwilligkeit, nichts Übergestülptes“ fände Rotraut Engler-Soyer wichtig. Linda Selig könnte sich einen „Tauschplatz für Spielzeug“ vorstellen. Hans-Hermann Wahl fragte den Bürgermeister nach Erfahrungen in der Bürgersprechstunde. Schmutz nannte daraufhin häufig wiederkehrende Themen: Müll, Verkehrssituation, Kinderbetreuung und Wohnungssuche.

Lob für Aufeld-Spielplatzinitiative

„Wir versuchen, Lösungen herbei zu führen“, sagte Schmutz. Zugleich betonte er: „Demokratie ist anstrengend und braucht Zeit.“ Auch viele Vereine bekämen zunehmend eine ausgeprägte Konsumhaltung zu spüren. „So funktioniert es aber nicht“, sagte Schmutz. Als Vorbild für Eigeninitiative, die die Stadt gerne unterstütze, nannte er die Elternaktion für einen schöneren Spielplatz im Aufeld (wir berichteten). „Ich habe das Gefühl, dass etwas angestoßen wurde“, sagte Leicht am Ende und bot den Kunstraum als künftigen Treffpunkt für mehr Demokratie in der Stadt an.