Ladenburg

Ladenburg Zwei Tage lang Nikolausturnier an der Martinsschule / Bürgermeister Stefan Schmutz erstmals als Feldspieler dabeî

„Auf dem Rollbrett sind alle gleich“

Wenn Lehrer rotweiße Zipfelmützen tragen und in der Sporthalle der Martinsschule Ladenburg Riesenstimmung herrscht, dann steht das Nikolaus-Turnier auf dem Programm. Und Rollbrettball heißt die Disziplin, die auch körperbehinderte Kinder Sport und Wettkampfatmosphäre erleben lassen. „Auf dem Rollbrett sind alle gleich“, weiß Bürgermeister Stefan Schmutz bereits von seiner Teilnahme als Torwart (ohne Rollbrett) im vergangenen Jahr. Gestern legte er sich erstmals auf den fahrbaren Untersatz, der das Handicap vieler Schülerinnen und Schüler relativiert und es beinahe vergessen lässt.

„Es macht jede Menge Spaß“, sagt Sven Trier. Der Mannheimer hat die Martinsschule 1992 verlassen. Für dieses Turnier kehrt er jedes Jahr zurück. „Obwohl mich das täglich 30 Euro für die Hin- und Rückfahrt kostet, und das auch in den zwei Trainingswochen vorher“, sagt der Rollifahrer, der in einer Behindertenwerkstatt der Diakonie arbeitet. Das Fahrgeld ist es seiner Freundin Juli Volchko ebenso wert.

Die 46-Jährige kennt diese Sportart noch aus ihren Anfangstagen, ebenso wie Agnes von Loe und der frühere „Rollbrettball-Star“ Mücahit Yildic vom Ehemaligen-Team: „Das Turnier ist eine schöne Erinnerung an unseren Sportlehrer Harald Ganther, der Rollbrettball erfunden hat“, sagt Volchko. In den 80ern war das, damals noch im früheren Gebäude an der Wallstadter Straße. „Es ist an der Martinsschule entwickelt worden, um den Schülern Wettkampfsport zu ermöglichen“, bekräftigt Hartmut Philipp, der das Turnier mit Nicole Kailich und Helmut Bender heute organisiert. „Im Tor können sogar Schwerbehinderte eingesetzt werden“, erklärt Philipp. Ein unvergessener Rollbrettball-Torwart sei Louis Matter, der leider nicht mehr lebe. Zur Erinnerung an den Schüler stiftete dessen Familie jetzt dem Schulförderverein einen namhaften Betrag und lud die gesamte Schulgemeinschaft außerdem zu einem „Louis“-Cocktail ein. Den genoss im Gedenken an Louis auch Anil, der als „einer der größten Rollbrettballfans an der Schule“ gilt, so Lehrer Philipp. An Anils Rollstuhl war ein Fanplakat befestigt. Seine Klassenfreunde Christian und Marlon wollten auch mit aufs Foto. Alle wirkten ausgelassen. Überall im Erdgeschoss des Schulhauses war die tolle Stimmung spürbar, die das Turnier auslöste.

„Das ist wirklich eine großartige Atmosphäre, schon Wochen vorher, wenn das Training läuft“, bestätigt Schulleiter Steffen Funk den Eindruck. Er findet es „sensationell, dass sich der Bürgermeister diesmal selbst aufs Rollbrett legt“. Schön sei auch, dass neben Schülern von der ersten bis zur Entlass-Klasse auch Eltern, Lehrer, Betreuer sowie so viele Ehemalige und Auswärtige mitmachten.

Turnier anfangs nur schulintern

Die Teilnehmer mit der weitesten Anreise kamen aus Pforzheim und Karlsruhe. Dabei fand dieses Turnier anfangs nur schulintern statt. Doch schon bald nahmen umliegende Schulen teil. „Heute ist es weit über Ladenburg hinaus bekannt“, freut sich Lehrer Philipp. „Ich fand es schon letztes Jahr fantastisch“, erklärt Bürgermeister Schmutz. „Diese Atmosphäre hier und die Freude aller“ habe er diesmal als Feldspieler miterleben wollen.

Die Martinsschule, wo auch der Neujahrsempfang 2019 stattfinde, sei ein Teil von Ladenburg und deshalb nutze er, Schmutz, immer wieder gerne die Gelegenheit, vorbeizuschauen.