Ladenburg

Ladenburg Großbrand im Kunststoffbetrieb RTP / 150 Feuerwehrleute im Einsatz / Mitarbeiter können sich unverletzt in Sicherheit bringen

Aufreibender Kampf gegen das Feuer

Dicker, schwarzer Qualm steigt Hunderte von Metern in den Himmel, aus den Fenstern einer Fertigungshalle schlagen Flammen, eine Rauchwolke schiebt sich vor die Sonne. Davor erst eine, dann zwei Drehleitern, deren Besatzungen mit einem Wasserstrahl dagegen halten – vor dem mächtigen Brand wirken sie winzig, das Feuer ist noch lange nicht unter Kontrolle.

Es ist eine dramatische Szene, mit der die Rettungskräfte am Dienstagvormittag im Ladenburger Industriegebiet konfrontiert werden: In einer Halle der Firma RTP ist Feuer ausgebrochen, zu diesem Zeitpunkt halten sich 13 Mitarbeiter in verschiedenen Teilen des Gebäudes auf. Sie entkommen unverletzt und werden dem Rettungsdienst untersucht. „Es sind keine Personen geschädigt“, formuliert Notarzt Oliver Gutzeit. Niemand habe Brandverletzungen oder eine Rauchgasvergiftung erlitten. Nun steht ein Grüppchen rußverschmierter Arbeiter mit ratlosen Mienen vor dem Werkstor.

Verpuffungen und Explosionen

Sie werden von der Polizei vernommen, zum Teil auf Englisch, weil nicht alle des Deutschen mächtig sind; mit dieser Redaktion darf keiner von ihnen sprechen. Bei der ersten Frage blockt eine blonde Mitarbeiterin ab und gibt zu verstehen, dass ihnen das nicht erlaubt sei. In der Firma werden Kunststoffe verarbeitet, und zunächst teilt Polizei-Pressesprecher Dennis Häfner mit, dass vermutlich eine Maschine in Brand geraten sei. Das Feuer findet in dem Plastikgranulat jedenfalls viel Nahrung; es breitet sich unkontrolliert aus, immer wieder sind kleine Explosionen und Verpuffungen zu hören. Um was es sich handelt, sei nicht klar, sagt Kreisbrandmeister Udo Dentz: „Wir wissen nicht, was an Stoffen alles in der Halle ist.“ Über die Warnsysteme Nina und Katwarn wird die Bevölkerung alarmiert, später fahren Streifenwagen durch die Römerstadt, Ilvesheim, Edingen-Neckarhausen und fordern per Durchsage auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine Gesundheitsgefährdung liege nicht vor, teilt Dentz später am Tag noch mit.

Die benachbarte ABB und der Lidl-Discounter werden evakuiert, auf dem Gelände einer Autowaschanlage baut die Feuerwehr Zelte auf. Schaulustige zücken ihre Handys, filmen die aufragende Rauchsäule. Einsatzkräfte werden jedoch nicht gestört, die Zaungäste treten bereitwillig den Rückzug an, wenn sie von der Polizei dazu aufgefordert werden. Gleichwohl weiß Polizeisprecher Norbert Schätzle, „wenn so ein Ereignis ist, vergisst man alle seine Hemmnisse“. Während der Bauhof Barrieren heranschafft, sperrt die Polizei die Wallstadter, Ilvesheimer und Benzstraße weiträumig; mehr als 70 Beamte und 150 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Nach der Brandursache gefragt, muss Schätzle vorerst passen: „Wir haben momentan noch einen Großeinsatz.“

Grenzen aufgezeigt

Gegen 13 Uhr ist das Feuer noch nicht unter Kontrolle, noch immer wechseln sich die Tanklastwagen am Unglücksort ab. Längst ist das Zelt der Heddesheimer Feuerwehr vor das Werkstor verlegt worden, längst haben alle, die nicht unmittelbar mit Löschen beschäftigt sind, ihren Standort verlegt. Wieder geht das Wasser aus einem der Schläuche zur Neige, nun übernehmen die Kameraden aus Dossenheim. Parallel werden zwei Wasserversorgungen über Hydranten aufgebaut: Einer befindet sich am Kreisel Wallstadter Straße, ein anderer an der Benz-Straße: Viele Meter Schlauch sind nötig, um diese Distanzen zu überbrücken.

Es stehe nur eine Ringleitung zur Verfügung, nickt Bürgermeister Stefan Schmutz: „Großereignisse wie dieses zeigen uns unsere Grenzen auf.“ Im Nachgang müsse über Verbesserungen gesprochen werden. Nun wird versucht, das angrenzende Bürogebäude zu retten, Dentz rechnet damit, dass der Einsatz noch bis in die frühen Morgenstunden dauert. Erst, wenn die Glutnester beseitigt sind und alles freigegeben ist, kann die Polizei ermitteln. Auch die Schadenshöhe steht noch nicht fest, inoffiziell ist aber von Millionen die Rede.

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