Ladenburg

Ladenburg Bürgermeister Schmutz und Bahnfahrer erleichtert / Ticketautomat wartet noch auf neuen Standort

Aufzug endlich in Betrieb

Es hat ein wenig gedauert, um es einmal milde auszudrücken, aber es ist jetzt soweit: Die Bahn hat am Mittwochnachmittag um 15 Uhr still und leise den Aufzug zu Gleis 1 am Ladenburger Bahnhof in Betrieb genommen. Auch wenn gestern vorsorglich noch ein Techniker vor Ort war: Nun sind beide Bahnsteige auch barrierefrei über Aufzüge erreichbar, in Richtung Weinheim ebenso wie zuvor schon in Richtung Mannheim und Heidelberg.

„Ich habe mich selbst davon überzeugt“, sagte Bürgermeister Stefan Schmutz und stellte nach mehreren enttäuschenden Verzögerungen beim Umbau fest: „Das ist ein langersehnter Moment insbesondere für alle, die auf Barrierefreiheit in ihrem Alltag angewiesen sind.“ Auch der Ladenburger Bahnkunde Helmut Brand zeigte sich gestern erfreut: „Endlich ist es soweit, ganz toll, und man kann wirklich sagen: Was lange währt, wird endlich gut.“

Weiter in Gesprächen mit Bahn

Findet damit eine unendlich erscheinende Geschichte vorerst doch noch ihr glückliches Ende? Fast, denn es steht noch die Versetzung des Fahrkartenautomaten an, dessen Bildschirmanzeige sich am bisherigen Platz aufgrund von Sonneneinstrahlung häufig nicht lesen lässt. Dazu sagt Schmutz: „Wir befinden uns mit der Bahn weiterhin in Gesprächen bezüglich der ausstehenden Restarbeiten.“ Die notwendigen Vorbereitungen seien bereits abgeschlossen, es hake aber am Vollzug.

Für Bahnfahrer Brand wäre es das Tüpfelchen auf dem i, wenn der neue Automat ein Schutzdach erhielte wie in Bad Schönborn, damit man bei Regen den Schirm abstellen könne und beide Hände zum Bedienen frei habe. „Das müsste die Stadt ebenso auf eigene Kosten machen wie die stark wünschenswerte Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, die ja noch bevorsteht“, weiß der frühere Realschulleiter, der schon im August 2017 den stockenden Ausbau und (inzwischen behobene) Mängel bei Entwässerung und Beleuchtung der Fußgängerunterführung zu den Gleisen kritisiert hatte.

Zum finanziellen Aspekt der stark verspäteten Fertigstellung der Aufzüge äußerte sich Schmutz: „Mit Mehrkosten rechnet die Stadt Ladenburg hier nicht.“ Die Verantwortung liege klar bei Bahn und beauftragten Firmen. Gleichwohl beteiligt sich die Stadt Ladenburg nach Auskunft von Schmutz „mit einem erheblichem kommunalen Anteil“ an dem Ausbau der 2. Ausbaustufe der S-Bahn Rhein-Neckar. Dieser betrug bisher rund 1,7 Millionen Euro. Aufgrund aufwändiger Planfeststellungsverfahren sei jedoch mit einer weiteren Kostensteigerung zu rechnen, die nur in Teilen durch eine Kostenübernahmevereinbarung zwischen Rhein-Neckar-Kreis und Land Baden Württemberg abgefedert werde.

Einige Unannehmlichkeiten

Am 29. Januar 2017 hatte die letzte Umbauphase begonnen. Nach Erneuerung der Mittelgleise 2 und 3 im Jahr 2016 wurde damals das so genannte Hausgleis 1 des 1846 erbauten Bahnhofs bis Mitte April 2017 durchgehend gesperrt. Anwohner der Baustelle und Pendler hatten einige Unannehmlichkeiten auszuhalten.

Inzwischen sind nahezu alle baulichen Voraussetzungen für den S-Bahnbetrieb mit komfortableren Zügen und einem engeren Fahrplanplantakt geschaffen: Die drei Ladenburger Bahnsteige sind auf einer Länge von 210 Metern ausgebaut und auf 76 Zentimeter über Schienenoberkante erhöht. Ein Teil der neuen Doppelstocktriebwagen sind auch schon im Einsatz. Doch lässt der Start dieses seit Jahrzehnten ersehnten Projekts weiter auf sich warten: Nach heutigem Stand geht Schmutz davon aus, dass erst im Dezember 2020 der Anschluss des Bahnhofs Ladenburg an das S-Bahnnetz erfolgt.