Ladenburg

Ladenburg Pfeifeninstrument in der evangelischen Kirche erhält Setzer-Anlage / Initiator Bernd Kreissig erläutert Hintergründe

Bald attraktivere Konzerte dank moderner Technik

Kirchenorgeln sind wunderbare Musikinstrumente. Welche Technik und Handwerkskunst buchstäblich dahinterstecken, zeigt sich zurzeit in der evangelischen Kirche zu Ladenburg anschaulich: Unter anderem sind Spieltisch, Haupt- und Pedalwerk ausgebaut. Auf der für die Öffentlichkeit gesperrten Empore stapeln sich Bauteile. Mechaniken und kleinste Orgelpfeifen sind zu sehen. Was auf den ersten Blick für Laien schockierend aussieht, weckt bei Organisten ganz andere Gefühle: „Ich find’s freudig“, sagt Gisela Schäffer im Gespräch.

Bernd Kreissig, ihr mehrjähriger Stellvertreter an der Orgel, nickt dazu kräftig mit dem Kopf und strahlt. Waren es doch diese beiden Musiker, die die Renovierung mit einer Spendenaktion ab 2015 mit initiiert hatten. Anlass war der Plan, das Instrument um eine Setzer-Anlage zu erweitern. Diese eröffnet künftig die Möglichkeit, Kombinationen der rund 30 Register und Koppeln so zu speichern, dass sie mit einem Knopfdruck abrufbar sind.

„So lässt sich der Klang des Instruments jeweils schnell und sicher verändern“, erklärt Kreissig. Inzwischen befindet sich der studierte Theologe als Spätberufener in der Ausbildung zum Pfarrer in Weinheim. Doch die Walcker-Orgel von 1959 liegt dem Ladenburger als passioniertem Organisten immer noch am Herzen.

Hilfe für virtuose Musiker

„Diese Orgelrenovierung ist etwas für den kirchlichen Alltag“, betont Kreissig. Keineswegs entstehe hier etwa nur eine Spielwiese für abgehobene Künstler. „Das voraussichtlich im September wieder voll verfügbare Instrument erweitert mit der Setzer-Anlage nicht nur die Möglichkeiten der Musik im Gottesdienst, sondern es zieht auch virtuose junge Musiker an, was attraktive Konzertangebote ermöglicht“, führt Kreissig aus. Das sieht Pfarrer David Reichert genauso: „Die modernisierte Orgel stellt für unsere Kirchengemeinde und sicherlich auch für das kulturelle Angebot unserer Stadt einen Hinzugewinn dar.“ Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 50 000 Euro. Die Landeskirche trägt einen Teil der Kosten. Die Spendenaktion erbrachte über 17 000 Euro und hilft den Gemeindeanteil zu tragen. Es sei erstaunlich, so Reichert, mit wie viel Engagement sich die Gemeinde diesem Projekt gewidmet habe.

„Frau Schäffer und Herrn Kreissig ist besonders zu danken, schließlich waren sie die Ideengeber und haben sich auf die Suche nach Spendern und Sponsoren begeben“, sagt Reichert. Mit den Arbeiten ist die Orgelbaufirma Lenter aus der Nähe von Ludwigburg betraut, die das Instrument von 1959 bereits 2000 überholt hatte. Bei den aktuellen Vorbereitungen zum Einbau der Setzer-Anlage, stellten die Fachleute fest, dass die Elektrik nicht mehr den Vorschriften entspricht. Diese ist also - wie übrigens nach und nach bei vielen Orgeln im Gebiet der Landeskirche – zu erneuern, da der Bestandsschutz bei jeglichem Eingriff erlischt. Auch Verschleißteile im Originalzustand, die nicht vor 18 Jahren schon renoviert worden waren, zeigten sich nun durch die übliche Abnutzung verbraucht.

Magnete statt Luftdruck

„Das betrifft zahlreiche Leder- und Filzstückchen, Bälge, Kleinteile der Mechanik und vieles mehr“, erläutert Kreissig. Auch würden einige pneumatische Teile jetzt durch elektromagnetische ersetzt. „Ich bin schon sehr gespannt, weil ich mich einerseits erst mit der neuen Anlage vertraut machen muss und weil sie andererseits unwahrscheinlich viele Möglichkeiten eröffnet“, schildert Organistin Schäffer ihre Vorfreude auf den Abschluss der Sanierung. Zurzeit begleitet sie die Gottesdienste an der geliehenen Truhenorgel des Kirchenbezirks Ladenburg-Weinheim.

Info: Fotosstrecke unter morgenweb.de/ladenburg

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