Ladenburg

Ladenburg Sommerfest im Automuseum von Winfried Seidel / Scheckübergabe an den Partnerschaftsverein Garango

Benz „10/22“ zieht Blicke auf sich

Rechtzeitig zum traditionellen Museumsfest wurde ein weiteres Schmuckstück aus dem Hause „Carl Benz Söhne“ fahrbereit fertiggestellt. Der „10/22 PS Sportwagen“, gefertigt in Ladenburg im Jahre 1911. Voller Stolz, und das völlig zurecht, präsentierte Winfried Seidel – das wandelnde Wissen, wenn es um wirklich alte Fahrzeuge aus dem Hause „Benz“ geht – das Schmuckstück. Eine Broschüre erzählt vom Werdegang des Wagens, der 105 Jahre nach seiner Fertigung wieder an seiner Geburtsstätte am Neckar eintraf – letztendlich aus Neuseeland. Eine ergreifende Geschichte um ein Stück automobiler Historie.

Bei der „sicherlich schon 25 Ausgabe des Museumsfestes soll natürlich auch das Museum in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden. Tatsächlich fanden viele Besucher den ganzen Tag den Weg ins Automuseum Dr. Carl Benz. Begeistert folgten sie den ein- und ausfahrenden Oldtimern verschiedenster Marken mit „Ahs“ und „Ohs“, so Seidel.

Vom kleinen Austin mit britischer Zulassung über den Käfer (Baujahr 1963) bis zum Messerschmitt Kabinenroller, dem „Düsenjäger des kleinen Mannes“. Aber auch amerikanische „Schiffe“ oder die Göttin, eine Citroën DS standen auf dem Parkplatz des „rollenden Museums“. Um 14 Uhr übergab der Museums-Chef einen Scheck an Gabriele Ensink vom Ladenburger Garango-Verein. „Tue Gutes und rede darüber!“ möchte Seidel gerne Andere dazu inspirieren, für wohltätige Zwecke zu spenden. Stolze 1310 Euro waren anlässlich Seidels rundem Geburtstag zusammen gekommen und wurden zum Wohle derer, die gar nichts haben, gespendet.

Immer wieder wurden Seidel und die Mannen vom Museum zu den Autos befragt, wobei der „10/22“ eindeutig die größte Anziehungskraft ausübte. Gegen eine Spende für das Kinder-Hospizes Sterntaler konnte man eine Runde mit dem Nachbau des Patent-Motorwagens 1 auf dem Parkplatz drehen und damit, nach theoretischer Einweisung, die praktische Prüfung zum Führerschein für des „Benz Patent Motorwagens“ ablegen.

Wilde Raserei

Der Zuspruch war riesig, das Motörchen, immerhin 0,75 PS stark, musste immer wieder pausieren. Es ist nicht für eine Dauerbelastung bei den herrschenden Temperaturen ausgelegt. Faszinierend war festzustellen, dass Geschwindigkeiten von etwa 10 Stundenkilometer so hoch und frei sitzend, wie auf dem Patentwagen, uns heute wie wilde Raserei vorkommen. Ebenfalls gegen eine Spende wurden auch kleine Rundfahrten vom Mercedes-Benz Regionalclub Rhein-Neckar angeboten, eine auch gerne angenommene Gelegenheit, einmal in einem Oldtimer unterwegs zu sein.

Natürlich fanden auch die rund 120 Autos im Museum selbst großes Interesse. Und wer die ganzen Informationen aufgesogen hatte, konnte diese bei Kaffee und Kuchen oder bei Herzhaftem und kühlen Getränken sich setzenlassen. Mit Jutta Benz war auch die letzte Namensträgerin aus dem Hause Benz wieder gerne Gast beim Museumsfest, begleitet von ihrer Cousine Renate Roscher, Enkelin der Benz-Tochter Thilde. Dazu noch ein Urenkel der Benz-Tochter Clara mit Familie.

Winfried Seidel war mit dem Ergebnis des Tages, mit der Besucherzahl und dem Interesse an seinem Museum sehr zufrieden. Allein: Seidels Aussage, das Projekt „10/22“ sei sein Letztes gewesen, will man einfach nicht glauben. Es wäre einfach zu schade, sein Wissen nur noch in der Theorie nutzen zu können.