Ladenburg

Neckar-Bergstraße Oberkommissar Michael Bittner berichtet über steigende Fallzahlen mit falschen Polizisten

„Betrogene sollten sich auf keinen Fall dumm fühlen“

Trickbetrüger, die sich als Polizisten oder Justizbehörden ausgeben: Das passiert leider immer häufiger. Am meisten per raffiniert getarnten Telefonanrufen. Aber auch dreist mit gefälschten Ausweisen an der Haustür. Und mit falscher Gerichtspost im Briefkasten. Diesen samt und sonders strafbaren Machenschaften ist eines gemeinsam: Es handelt sich um ebenso üble wie ausgeklügelte Maschen, um an Bargeld und Wertsachen der getäuschten, und überwiegend älteren, Menschen zu kommen.

„Die Tendenz, das bei älteren Leuten zumeist große Vertrauen in die Polizei betrügerisch auszunutzen, ist auf jeden Fall stark steigend“, weiß Polizeioberkommissar Michael Bittner als Sachbearbeiter für Vorbeugung und Opferschutz beim Polizeirevier Ladenburg. Es gehe um „beträchtliche Summen“. Deutschlandweit seien es laut Schätzung des Bundeskriminalamts „Millionen von Euro, die durch hochmethodische und kriminelle Machenschaften ergaunert“ werden. Genaue Zahlen liegen Bittner jedoch nicht vor. „Das liegt unter anderem auch daran, dass die Dunkelziffer in diesem Deliktbereich hoch ist“, sagt der seit 35 Jahren bei der Polizei tätige Beamte. Denn manche Betroffene würde einen Betrugsfall aus falscher Scham entweder gar nicht zur Anzeige bringen oder den tatsächlichen Schaden herunterspielen.

Aus diesem Grund ist es Bittner wichtig zu betonen, dass die Professionalität der Täter so hoch sei, dass es „rein gar nichts mit Dummheit zu tun“ habe, auf solche Art betrogen zu werden. „Die Leute sollten sich auf keinen Fall schämen, mit der echten Polizei zu sprechen“, sagt Bittner. Zu ausgesprochenem Misstrauen rät er jedoch bei verdächtigen Anrufen von angeblichen Polizisten. „Vor 40 Jahren war der falsche Polizeibeamte eine aufsehenerregende Ausnahme, doch heute ist das fast schon inflationär steigend“, so Bittner. Die Fallzahlen gingen steil in die Höhe, weil man in kriminellen Kreisen ältere Leute als Opfer entdeckt und festgestellt habe, dass es sich lohne. Dafür müsse man bei 100 Anrufen nur fünfmal „erfolgreich“ sein.

„Das geht so weit“, führt Bittner aus, „dass es mittlerweile ganze Callcenter allein dafür gibt, die hochprofessionell vorgehen.“ Diese Telefonzentralen seien durchorganisiert und hätten ihren Sitz „vorrangig“ in einem bestimmten Land außerhalb der EU, was aufgrund mangelnder Strafrechtsabkommen polizeiliche Ermittlungen behindere.

Bankdaten sind tabu

Doch auch von Deutschland aus werde operiert. „Egal, von wo angerufen wird: Die Betrüger sprechen fast immer akzentfrei Deutsch“, erklärt Bittner. Warum die Masche zieht? „Die Täter nutzen anerzogene Höflichkeit und Respekt der meisten Angerufenen vor der Polizei aus, haben sprachliches Geschick und sind professionell geschult.“

Wie kann man sich schützen? „Ein echter Polizeibeamter fragt niemals, absolut niemals, nach Finanzen oder ob Wertsachen im Haus sind“, antwortet Bittner. Fragen nach Bankdaten seien ebenso tabu. „Wir bauen bei einem Gespräch mit unbescholtenen Bürgern auch keinen Druck auf und bringen niemand in emotionale Nöte“, betont der erfahrene Sachbearbeiter für Prävention. Wichtig sei auch zu wissen: „Die 110 als Telefonnummer der Polizei kann nur angerufen werden, dürfte also nie auf dem Telefondisplay angezeigt werden.“

Wenn die 110 dennoch zu sehen sei und sogar als Argument für die angebliche Seriosität des Anrufs gelten solle, „dann ist sicher etwas faul“, verdeutlicht Bittner. Deshalb sein Appell: „Die Täter sind hochprofessionell, und die Opfer sollten sich auf keinen Fall dumm fühlen.“ Gut beraten sei, wer bei verdächtigen Anrufen auflege und eigenhändig den Polizeiruf 110 wähle, aber „niemals über die Rückruftaste!“ Denn sonst lande man ja wieder beim Betrüger.

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