Ladenburg

Ladenburg Evangelisch-Altkatholischer Krankenpflegeverein blickt auf 130-jährige Geschichte zurück / Jubiläumsgottesdienst am 23. Juni um 10 Uhr

Bis heute Mitträger der Sozialstation

In diesen Tagen jährt sich nicht nur die badische Revolution von 1848/49 zum 170. Mal. Was die demokratische Bewegung damals auf die Barrikaden gehen ließ, trieb auch Männer wie Johann Heinrich Wichern um: Als Antwort auf die um sich greifende Armut regte der Hamburger Theologe und Erzieher zu dieser Zeit jedoch kirchliche Sozialarbeit an. Nach ihm ist auch in Ladenburg eine Straße benannt. Sein Programm zur „Inneren Mission“ gilt als Vorläuferin der Diakonie. Vor diesem Hintergrund entstand am 8. März 1889 der evangelisch-altkatholische Krankenpflegeverein (KPV) in der Römerstadt.

Zur Feier des 130. Jubiläums findet am 23. Juni ein Gottesdienst mit diakonischem Schwerpunkt statt. „Der Krankenpflegeverein leistet einen wichtigen Beitrag im sozialen Miteinander unserer Gemeinde und Stadt“, erklärt Ladenburgs evangelischer Pfarrer David Reichert. Die unterstützenswerte Arbeit sei ein „Ausdruck tätiger Nächstenliebe“. Zugleich entlaste der Krankenpflegeverein mit seinen finanziellen Leistungen den Haushalt der Kirchengemeinde. Seit 1975 ist dieser KPV einer von insgesamt neun Trägern der ökumenischen Kirchlichen Sozialstation Unterer Neckar mit Sitz in Ladenburg.

Verein übernimmt Kosten

„Ohne Trägervereine und Kirchengemeinden auch in der Umgebung müsste die Sozialstation aufgeben oder sich kommerzialisieren“, verdeutlicht der KPV-Vorsitzende Thomas Roß. Da der KPV „kein operatives Geschäft mehr“ habe, sei die Zahl der Mitglieder gegenüber den Hoch-Zeiten um zwei Drittel auf rund 300 geschrumpft. Dabei übernehme der Verein bis heute die Kosten für bestimmte Leistungen der Sozialstation, die von den gesetzlichen Trägern und Krankenkassen nicht in vollem Umfang vergütet werden.

„Wir legen Wert auf menschliche Pflege und Ansprache der Patienten, deshalb ist es mir ein Herzensanliegen, dass so ein Verein nicht stirbt“, betont Roß. Für die nächsten Jahre sieht er den KPV jedoch als „überlebensfähig“ an. So werde man den jährlichen Beitrag von 20 Euro nicht erhöhen, obwohl der absehbare Einwohnerzuwachs durch Neubaugebiete den KPV-Förderbetrag steigen lassen könnte. „Mit fünf Cent am Tag kann man den Solidaritätsgedanken stärken“, sagt Roß. Bereits sein Vater Peter engagierte sich bis zu seinem Tod 1998 als Vorsitzender. Das Amt übernahm Meinhard Georg bis 2014. Der Altstadtrat arbeitet zurzeit mit Vizechef Oliver Baader an einer Chronik.

Viele erinnern sich noch an KPV-Schwester Gretel Diehm, die der damalige Stadtpfarrer Herbert Degenhart 1968 verabschiedete. Die letzte Gemeindeschwester, die der KPV danach in eigener Regie beschäftigte, war Charlotte Schäfer. Die Mutter des heutigen Schulhausmeisters und Feuerwehrmanns Karl-Heinz Schäfer gehörte bei Gründung der Kirchlichen Sozialstation zum anfangs vierköpfigen Team um Pflegedienstleiterin Hannelore Beuschel. Die erste KPV-Angestellte war jedoch Schwester Mina. Für die deutlich geringere Zahl der Einwohner genügte 1889 eine Pflegekraft. Sie wohnte im Haus des Kirchengemeinderates und Bäckermeisters Georg Lösser am Marktplatz 9 (Café Schork, heute Kaffeehaus).

Später gab es Wohnungen im Gemeindehaus in der Schulstraße 23. Den KPV hatte Stadtpfarrer Albert Julius Sievert mit evangelischen Männern und Gläubigen um den altkatholischen Kollegen Robert Steinsiepe aus Ladenburg und Neckarhausen im Gasthaus Hirsch gegründet. Bedarf war da, denn der „Männliche israelitische Kranken-Unterstützungsverein“ der jüdischen Gemeinde von 1843 und der „Christliche Krankenunterstützungs- und Sterbekasse-Verein“ hatten sich aufgelöst.

Noch im selben Monat ließen sich in der Rheingaustraße (heute St. Joseph-Kindergarten) zwei „Niederbronner Schwestern“ des katholischen KPV (spätere Caritas) nieder. Auch sie begründeten vor 130 Jahren eine Tradition, die die Sozialstation heute fortführt.