Ladenburg

Ladenburg Ab 2020 soll in der Stadtbibliothek automatische Ausleihe möglich sein / Rund 32 000 Medien werden darauf vorbereitet

Bücherei stellt auf Selbstbedienung um

Nach zwei, drei Büchern hat Stefan Schmutz den Dreh raus. Barcode scannen, Transponder in den Buchdeckel kleben, elektronisch registrieren, Taste drücken: Wieder ist ein Buch bereit für die automatische Ausleihe, die 2020 starten soll.

„Ich hab auch schon mal im Baumarkt Schrauben sortiert“, scherzt der Ladenburger Bürgermeister, während Bibliotheksleiterin Antje Kietzmann und ihre ehrenamtliche Kollegin Ingeborg Müller schauen, ob er alles richtig macht. Im kleinen Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen haben die beiden in den vergangenen vier Wochen schon bis zu 7000 Medien derart bearbeitet, wie Kietzmann gestern informiert. Noch einmal rund 25 000 sollen bis Ende des Jahres hinzukommen, damit der gesamte physische Bestand der Bücherei umgerüstet ist.

Ab 2020 brauchen Nutzer der Einrichtung dann nicht mehr zum Schalter, um Bücher, Zeitschriften, CDs oder DVDs auszuleihen. An einer Selbstbedienungsstation übernimmt stattdessen die Technik das Einlesen des Büchereiausweises und des Codes in den Klebe-Etiketten. So kann der Computer die Medien erkennen und verbuchen. Pannen würden spätestens am Ausgang bemerkt: Ähnlich wie im Kaufhaus soll es dort Säulen geben, die nicht verbuchte Medien aufspüren und dann Alarm schlagen. Bei der Rückgabe reicht es laut Kietzmann, die Bücher auf eine dafür vorgesehene Fläche zu legen, damit das System den gesamten Vorgang erfasst.

Bisher laufe die Umrüstung zügig, freut sich die Büchereichefin: „Technisch ist das unkompliziert.“ Mit rund 250 bis 300 Arbeitsstunden rechnet sie dennoch. Ingeborg Müller kennt den Aufwand nur zu gut: Sie hat vor rund 15 Jahren schon einmal alle Bücher beklebt, seinerzeit mit den Barcodes – „und ganz allein“, wie Kietzmann erzählt: „Jetzt das Gleiche von vorn, nur ein bisschen variiert“, sagt sie lachend.

Angst, die Selbstbedienung könnte die älteren der derzeit rund 2000 Büchereinutzer abschrecken, hat die Bibliothekarin nicht. Auch die Onleihe, also das Ausleihen digitaler Medien übers Internet, werde schließlich nicht nur von der jungen Generation genutzt. Und Bankgeschäfte am Automaten seien die meisten ja auch schon gewohnt. „Außerdem sind wir ja weiterhin hier und können helfen“, betont sie.

Rund 60 000 Euro investiert

Insgesamt vier Hauptamtliche arbeiten in der Bücherei auf 3,15 Stellen. Knapp 20 Ehrenamtler helfen mit, „von der Buchreparatur bis zum Vorlesen“. Doch die Freiwilligen werden immer weniger, die Arbeit dagegen nicht. Wenigstens zum Teil soll die neue Technik das kompensieren. Die Stadt investiert dafür rund 60 000 Euro. Dass der Gemeinderat die Mittel zur Verfügung gestellt hat, sieht Schmutz als „Beleg für die Qualität und öffentliche Beliebtheit der Stadtbibliothek“. Stellvertretend für alle, „die so eifrig bei der Umrüstung dabei sind“, dankt er gestern Ingeborg Müller, dass sie helfen, „die Stadtbibliothek zukunftsfähig zu machen“.