Ladenburg

Ladenburg Stadt startet Dialog mit Anwohnern des Neubaugebiets Nordstadt / Konzept für Kurzgewannstraße bei Informationsabend vorgestellt

Bürger befürchten Verkehrschaos

„Wir wollen mit Ihnen in einen Dialog kommen“, machte Bürgermeister Stefan Schmutz am Mittwochabend deutlich, dass die Ladenburger Stadtverwaltung den Anwohnern der Kurzgewannstraße „nichts überstülpen“ will. Rund 100 Menschen aus dem Viertel, das unmittelbar an das Neubaugebiet Nordstadt-Kurzgewann grenzt, waren zur Bürgerinformation in den Domhofsaal gekommen. Dort stellte Verkehrsplaner Frank Rogner vom Karlsruher Ingenieurbüro Koehler & Leutwein ein Konzept vor, zu dem alle Anwohner bis 1. März im Rathaus weitere Anregungen abgeben können.

Was Rogner zur möglichen Neugestaltung des Parkraums in der Kurzgewannstraße ausführte, sieht Schmutz als „Vorschlag“ an, der ihm „lieb und teuer“ sei. Für ihn und Fachmann Rogner ist das „Parkchaos“ eher ein Problem als (laut Prognosemodell) geringfügig mehr Verkehr. „Es ist eine ungute Situation, dass die Gehwege bislang zugeparkt werden“, sagte Rogner. Die Sicherheit für Fußgänger könne erhöht werden, indem man Stellflächen künftig nur noch wechselseitig am Fahrbahnrand markiere.

Parkplätze geordnet

Die vorgeschlagenen Maßnahmen, darunter auch Pflanzbereiche, würden Gehwege freihalten und zur Verkehrsberuhigung beitragen. Zudem sei die Straße immer noch breit genug, um auch Rettungsdiensten und Müllfahrzeugen jederzeit Durchfahrt zu gewähren. Und jeder wisse künftig, wo legal geparkt werden dürfe und wo nicht. Zugleich rufe man dazu auf, eigene Einfahrten und Garagen auch zu nutzen und nicht aus Bequemlichkeit auf der Straße zu parken.

„Das Minus von 14 Stellplätzen würde der Faktor Sicherheit für Senioren, Kinder und junge Familien mit Kinderwagen aufwiegen“, fasste Schmutz die Abwägung von Pro und Contra zusammen. Einen „großen Wurf“ könne es nicht geben. Denn wie Stadtbaumeister André Rehmsmeier ausführte, waren bei der Planung älterer Wohnviertel keine Stellplatznachweise erforderlich. Inwischen gebe es in vielen Familien mindestens zwei Autos. Dazu kämen in diesem Quartier gewerblich genutzte Fahrzeuge. Doch müsse Parken ja nicht unmittelbar vor der Haustür sein. Im Neubaugebiet entstünden zusätzliche öffentliche Parkplätze, die auch von Anwohnern der Kurzgewannstraße benutzt werden dürften. Eine Verkehrsentlastung verspreche das Kappen des Feldwegs von und nach Neuzeilsheim für Autos.

„Entlang der Kurzgewannstraße wird der Verkehr tendenziell abnehmen“, glaubt Schmutz sogar. Zuvor hatte der Planer festgestellt, dass es durch lediglich 100 Fahrzeuge pro Tag zu „keiner unzumutbaren Mehrbelastung“ und dies auch nur im südlichen Bereich der Straße kommen werde. Im nördlichen Bereich werde es zu einer Entlastung kommen. Heute zähle man insgesamt 600 Fahrzeuge in 24 Stunden.

Die Anwohner befürchten jedoch deutlich mehr Verkehr durch das Neubaugebiet. „Dabei ist die Nordstadt schon jetzt an der Grenze“, findet eine Frau. Eine andere ist sicher: „Der Weg aus der neuen Nordstadt zum Einkaufszentrum führt durch die Kurzgewannstraße.“ Auch in Luisen- und Schwarzkreuzstraße werde dies künftig zu mehr Problemen führen.

Beifall für Kritik

Eine Anwohnerin brachte die Mehrheitsmeinung an diesem Abend auf den Punkt, denn es gab Beifall für diese Aussage: „Der Vorschlag der Verwaltung kommt nicht positiv an.“ Dieser sei keine Lösung für eine ruhigere Straße. Die Anwohner hätten sich unter anderem gewünscht, eine der Anbindungen an das Neubaugebiet für Autos zu sperren. Bereits bei einer ersten Bürgerinformation zur künftigen Verkehrssituation im Umfeld des großen Neubaugebiets Nordstadt-Kurgewann im Jahr 2017 hegten die Anwohner deutliche Vorbehalte. Unterschriften und Vorschläge waren damals gesammelt worden.

„Die Entscheidung über die Anbindung der Nordstadt ist gefallen“, betonte Schmutz. Er sicherte aber zu, die bekannt problematische Rechts-vor-Links-Regelung an der Einmündung Luisenstraße deutlicher machen zu wollen. Den entscheidenden Knackpunkt verdeutlichte seine Mitarbeiterin Nicole Ernst-Karch: „Wir sind nicht Herr unserer eigenen Straßen: Das Landratsamt muss alles genehmigen.“